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Das Ende des kühlen Denkers (Fortsetzung)

Manchmal muss man auch als Wissenschaftler oder Journalist Farbe bekennen. Die Durchsetzungsinitiative war so ein Moment.

MeinungVon Michael Hermann

Manchmal schreibt man Texte, deren Bedeutung sich einem erst im Nachhinein erschliesst. «Das Ende des kühlen Denkers» hiess so einer. Als ich ihn im Sommer 2014 im «Tages-Anzeiger» publizierte, ahnte ich nicht, wie viel der Text auslösen könnte – vor allem bei mir selber.

Es war wie der Schritt aus dem dürrenmattschen Gefängnis, in dem jeder Gefangener auch sein eigener Wärter ist. Ein Gefängnis, das im Ehrgeiz gründete, als Politikexperte gänzlich von den eigenen Überzeugungen abstrahieren zu können. Lange gab es mir Befriedigung, wenn Leute an Veranstaltungen wissen wollten, wo ich denn politisch stehe, weil sie es aus den medialen Äusserungen nicht erschliessen konnten. Gab ich Interviews, so sassen bereits die Online-Kommentarscheiber in meinem Ohr, die mir zuflüsterten, welche Sätze sie als «links» verurteilen würden. Ihnen kein Futter zu geben, war das Ziel. Es war ein falscher Ehrgeiz und ein falsches Ziel.

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