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Der Verwahrte, der rauskommt

Adrian Schmid ist weder Mörder noch Vergewaltiger. Trotzdem wurde er verwahrt. Knapp zehn Jahre und vier Gutachten später darf er das Gefängnis verlassen. Was ist geschehen?

Neun Jahre, vier Monate und drei Tage hat Adrian Schmid auf diesen einen Morgen gewartet. Heute um acht Uhr verlässt er seine Zelle, rund zehn Quadratmeter ist sie gross, darin stehen ein Bett und ein Regal, ein Tisch und ein Stuhl. Er hat seinen ganzen Besitz dabei – oder zumindest das, was er nicht an Mithäftlinge verschenkt hat: Bücher, Kleider, Toilettenartikel, sein Blu-Ray-Gerät und rund 200 CDs. Adrian Schmid läuft den Gang entlang, hinaus in den Innenhof, wohl durch den Haupteingang ins Freie. Und dann, dann endlich, ist er frei.

Der 44-Jährige, kräftige Statur, die schwarzen, langen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, war ein Verwahrter. Der damit rechnen musste, möglicherweise für immer im Gefängnis zu bleiben. Im September 2007 verurteilte ihn das jurassische Kantonsgericht in Porrentruy zu einer Haftstrafe von fünf Jahren wegen Brandstiftung, versuchten Mordes und Drohung. Schmid hatte nie jemanden umgebracht, verletzt oder vergewaltigt. Doch die Richter sahen es als erwiesen an, dass er für eine Therapie nicht zugänglich sei. Zudem attestierten sie ihm im Falle einer Entlassung eine hohe Rückfallgefahr.

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