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Das geht zu weit

Die «Tööpeleien» eines Chefs, begleitet von sexistischen Sprüchen und abwertenden Übernamen für Mitarbeiterinnen, müssen öffentlich werden.

Lange haben Frauen geschwiegen, wenn ein Chef sie bedrängte. Sich zu wehren, schien oft aussichtslos. Nach dem Fall Harvey Weinstein ist mit #MeToo aber eine Bewegung entstanden, die dieses Schweigen gebrochen hat und das System hinter solchen Übergriffen sichtbar macht.

Das Thema ist für niemanden einfach. Auch nicht für die Journalisten. Man muss sich fragen: Wie schwer sind die Vorwürfe? Stimmen sie? Wie aktuell sind sie? Sind viele Frauen betroffen? Bilden die Vorwürfe ein Muster, ist das Verhalten Teil eines Systems? Geht es um einflussreiche öffentliche Personen, die Macht ausüben können?

Im Fall Werner De Schepper hat sich diese Zeitung zu einer Berichterstattung entschlossen, weil die Vorwürfe zahlreich und durch eine Vielzahl von Aussagen abgestützt sind. Weil sie sich über Jahre erstrecken und nahe an die Gegenwart reichen. Weil er eine öffentliche Person ist und einflussreiche Positionen bekleidete – aktuell als Co-Chef einer bekannten Zeitschrift. Weil die meisten betroffenen Frauen De Schepper direkt oder indirekt unterstellt waren. Weil er mehrfach – wenn auch informell – gewarnt wurde. Und weitermachte.

Auch ein ­leichter Fall ist ein Fall, vor allem wenn das Verhalten System hat und über Jahre andauert.

Eine Kritik an der #MeToo-Diskussion lautet, es werde kaum unterschieden zwischen leichten Grenzüberschreitungen und schweren sexuellen Übergriffen. So würden Männer wegen Bagatellen ungerechterweise an den Pranger gestellt. Aber: Auch ein ­leichter Fall ist ein Fall, vor allem wenn das Verhalten System hat und über Jahre andauert. Das Eidgenössische Büro für Gleichstellung schreibt, die Grenze zwischen harmlosen und nicht harmlosen Vorfällen liege im Empfinden der Betroffenen.

De Scheppers Verhalten wurde von Betroffenen breit kritisiert: als «eklig», «widerlich, «erbärmlich» – wie eklig, lässt sich aus Gründen des Quellenschutzes nicht im Detail beschreiben. Sich über Jahre erstreckende «Tööpeleien» eines Chefs, begleitet von sexistischen Sprüchen und abwertenden Übernamen für Mitarbeiterinnen, ­gehen zu weit.

Das soll öffentlich werden. Auch, um Betroffenen zu zeigen, wie viele es von ihnen gibt.

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