«Das ist auch in der Schweiz möglich»

Das Geschäftsmodell sei das Problem von Facebook, sagt der Zürcher Datenschützer Bruno Baeriswyl.

«Facebook ist nur ‹gratis›, weil diese Daten verkauft werden können»: Der Zürcher Datenschützer Bruno Baeriswyl.

«Facebook ist nur ‹gratis›, weil diese Daten verkauft werden können»: Der Zürcher Datenschützer Bruno Baeriswyl. Bild: Keystone

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Was ist neu an den Enthüllungen um das Datenleck bei Facebook?
Erstaunt hat mich, wie systematisch mit Facebook-Daten in politische Kampagnen eingegriffen wird. Längst bekannt ist aber, dass Datensammeln das Geschäftsmodell von Facebook ist. Facebook ist nur «gratis», weil diese Daten verkauft werden können.

Dennoch wundern sich Nutzer, was mit ihren Daten geschieht.
Die Verwendung der Facebook-Daten durch Facebook selber und durch Drittfirmen geschieht meistens ohne Transparenz für die Nutzerinnen und Nutzer. Darum sind sich wenige bewusst, dass diese Daten zur Beeinflussung der Betroffenen verwendet werden, sei es bei ihrem Konsum oder eben auch in ihrem politischen Verhalten.

Für diesen Zweck nützlich wären aber auch Daten, die Facebook selber nicht erheben kann.
Facebook selber schreibt, dass auch Informationen von Aktivitäten der Nutzerinnen und Nutzer ausserhalb von Facebook gesammelt werden. Das Ziel ist es, das Verhalten einer Person möglichst lückenlos aufzeichnen zu können. Je umfassender Informationen über eine Person vorhanden sind, umso gezielter kann eine Person auch manipuliert werden.

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Gelten für Schweizer Nutzer die Regeln wie überall auf der Welt?
Bei der Eröffnung eines Facebook-Accounts gibt jeder Nutzer mit dem Ankreuzen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen Facebook die Vollmacht, die Daten im umschriebenen Sinne zu verwenden. Zwar sagt das Schweizerische Datenschutzgesetz, dass eine solche Einwilligung nur gültig ist, wenn sie nach angemessener Information freiwillig erfolgt. Also müsste man eigentlich wissen, was mit den Daten geschieht...

Eigentlich?
Man weiss es nur, wenn man die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Facebook liest. Aber wer macht das schon – und wer nicht einwilligt, kann keinen Account eröffnen. Also könnte man sagen, dass die Einwilligung ungültig ist. Aber darauf hat das Schweizer Recht keine Antwort: Die betroffene Person müsste in Kalifornien nach kalifornischem Recht klagen!

Ist Wahlmanipulation via Facebook-Daten auch in der Schweiz möglich?
Nach der Obama- und der Trump-Kampagne kamen verschiedene Berater aus den USA in die Schweiz und zeigten auch an öffentlichen Referaten die neuen Möglichkeiten des «Campaigning» auf. Es würde mich nicht wundern, wenn wir in den nächsten nationalen Wahlen 2019 solche Phänomene sehen.

Was soll der einzelne Nutzer tun?
Nutzerinnen und Nutzer sollten auf Facebook nur Daten und Fotos publizieren, die sie auch einem unbekannten Dritten auf der Strasse zeigen würden. Immerhin bietet Facebook Einstellungen zum besseren Schutz der Daten an. Die sollten unbedingt ausgewählt werden. Zudem ist zu empfehlen, Daten ab und zu auch wieder zu löschen. Und schliesslich sollte vermieden werden, sich überall mit dem Facebook-Log-in anzumelden.

Bruno Baeriswyl ist seit 1994 Beauftragter für Datenschutz des Kantons Zürich.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.03.2018, 06:34 Uhr

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