«Das ist ein Nein zur Bevormundung»

Die beiden Agrar-Initiativen sind deutlich verworfen worden. Die Kommentatoren in der Presse sehen darin ein Votum gegen staatliche Richtlinien.

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Das Volk hat die beiden Agrar-Initiativen am Sonntag deutlich verworfen. Die Kommentatoren der Presse sehen darin ein Votum gegen staatliche Richtlinien zum Essverhalten. Westschweizer Zeitungen warnen vor einer voreiligen Öffnung des Landwirtschaftsmarkts.

«Blick»: «Es ist ein Nein zur Bevormundung. Wer Wert darauf legt, dass sein Essen fair und nachhaltig produziert wurde, hat alle Möglichkeiten dazu. Und trotz höherer Kosten setzen ja viele auf regionale Bioprodukte. Gut für die Umwelt und die Schweizer Bauern. Aber allen vorschreiben zu wollen, was auf den Teller kommt das geht zu weit.»

«Tages-Anzeiger»: «Der Stimmbürger kann als Konsument täglich entscheiden, welche Art Nahrungsmittel er bevorzugt. Diesen Entscheid pro oder contra Bio fällt er lieber individuell vor dem Ladenregal, als dass er ihn per Verfassungstext allgemeinverbindlich erklärt.»

«Neue Zürcher Zeitung»: «Die Stimmbeteiligung blieb mit 37 Prozent unter dem Durchschnitt. Dies, obwohl das Thema Essen uns alle betrifft. Jeden Tag. [...] Die Diskussion über die Fair-Food-Initiative hätte emotional werden können. Aber bis zum Schluss drehte sie sich hauptsächlich um die Frage, was die Grünen mit der Vorlage denn eigentlich fordern.»

«Nordwestschweiz»/«Luzerner Zeitung»/«St. Galler Tagblatt»: «Man kann die Abstimmungsergebnisse als Bestätigung der bisherigen Schweizer Agrarpolitik werten. Die Ökologie wurde in den letzten Jahren wichtiger, ebenso die offenen Märkte und mehr Wettbewerb. [...] Das klare Nein zu den beiden Initiativen ist eine deutliche Absage an all jene Kräfte, welche die Schweizer Landwirtschaft abschotten wollen und sich vehement gegen den Freihandel wehren.»

«Berner Zeitung»: «Genau vor einem Jahr hatten Schweizerinnen und Schweizer deutlich Ja gesagt zum Ernährungssicherheits-Artikel. Der Schutz von Kulturland und die bewusste, auch finanzielle, Förderung von nachhaltiger Produktion in der Landwirtschaft ist seither in der Bundesverfassung verankert. Die Initianten der beiden aktuellen Agrar-Initiativen blieben im lauen Abstimmungskampf den Nachweis schuldig, dass es darüber hinaus noch weitere Regeln für die Landwirtschaft und für den Import für Landwirtschaftsprodukten braucht.»

«Le Temps»: «Die Schweizer wollen keine weitere Dosis Interventionismus in die Landschaft injizieren. Sie unterstützen jedoch auch nicht die aktuelle Politik. Die Lebensmittelinitiativen versprachen, den verlorenen Paradiesgarten im Kontext der globalisierten Produktion und des Konsums zurückzuerobern. Das ist klar gescheitert. [...] Die Agrardebatte hat gerade erst begonnen. [...] Aber es wäre falsch, in diesem Ergebnis eine massive Unterstützung für die Öffnung der Märkte und den Abbau von Zollschutzmassnahmen zu lesen.»

«24 heures»/«Tribune de Genève»: «Die beiden Agrar-Initiativen sind gescheitert, weil die Deutschschweizer gegen den Rat der französischsprachigen Bevölkerung mit Nein gestimmt haben. [...] Die Ohrfeige für Grüne und Uniterre könnte den Wunsch der Bürgerlichen nach mehr Liberalismus in der Landwirtschaft stärken. Aber der Wirtschaftsminister soll darauf achten, nicht euphorisch zu sein. Nur weil Gegner das Gespenst des Protektionismus an die Wand malten, bedeutet das nicht, dass die Schweizer über Nacht für eine vollständige Öffnung der Schranken sind.»

(chk/sda)

Erstellt: 24.09.2018, 05:31 Uhr

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