Das Problem im Fall Buttet liegt tiefer

Warum ein Flirt-Leitfaden nicht ausreicht, um das herrschende Klima im Parlament zu verbessern.

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Yannick Buttet hat das Richtige getan: Er ist als CVP-Nationalrat zurückgetreten. Allerdings tat er das erst am Sonntagabend, als es nicht mehr anders ging. Am Wochenende hatten sechs Frauen, darunter vier Bundesparlamentarierinnen, öffentlich gemacht, wie sie vom Walliser begrapscht, bedrängt und belästigt worden waren. Die Zeitungen «Le Temps» und «Nouvelliste» hatten mit den Opfern persönlich gesprochen. Deren Aussagen mit schockierenden Details liegen schriftlich vor, zum Teil sind sie durch Zeugen belegt. Der Schleier des Schweigens, der – zum Teil seit Jahren – über den Vorfällen lag, war gelüftet. Dass Buttet nun die Konsequenzen daraus gezogen hat, besiegelt die Glaubwürdigkeit der Vorwürfe. Unabhängig davon, welche Schlüsse die Justiz daraus ziehen wird, wenn überhaupt: Er hatte sein Mandat verwirkt.

Buttets späte Einsicht ist ein Segen für seine Familie. Sie muss nun nicht weiter mit einem Familienvater leben, der so sehr an seinem Amt klebte, dass er sein Fehlverhalten mit Tücke und der Hilfe eines gerissenen Anwalts verwedeln musste. Steine so gross wie der Stockalperpalast dürften aber auch der CVP-Führungsriege vom Herzen fallen: Sie ist Buttet los und damit ein Problem, das sie nicht lösen konnte, weil Buttet untergetaucht war und das Gespräch verweigert hatte.

Der Fall Buttet allein ist verstörend genug. Aber schlimmer noch ist der tiefer liegende Missstand, den er ans Licht gezerrt hat. Buttets notorische Entgleisungen waren nur zufällig und auf Umwegen ruchbar geworden. Es ist wie so häufig: Erst im Nachhinein wollen Leute, die davon wussten, eins und eins zusammengezählt und das elende Muster von Buttets Verhalten erkannt haben. Die Bedrängten und Bedrohten selbst getrauten sich nicht, zu reden. Sie wagten erst am Schluss, sich hartnäckigen Journalisten gegen Zusicherung der Anonymität anzuvertrauen. Mit gutem Grund: Das herrschende Klima im Parlament macht die Opfer nach wie vor schnell zu Täte­rinnen. Daran müssen Parlamentarierinnen und Parlamentarier etwas ändern, nicht an Merkblättern, die den Unterschied zwischen Flirt und sexueller ­Belästigung buchstabieren.

Erstellt: 17.12.2017, 22:10 Uhr

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