Das Rachespiel

Unterdessen in Porrentruy JU: Die Bürgermeisterwahl in der zweitgrössten Stadt des Kantons Jura ist zur Farce geworden. Die Wahlfälschungen lassen in Abgründe blicken.

Die Menschen hier machen komische Sachen: Dinosaurier auf einem Kreisel bei Porrentruy. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Die Menschen hier machen komische Sachen: Dinosaurier auf einem Kreisel bei Porrentruy. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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Pruntruter Zipfel heisst die äusserste Ecke des Jura auf Deutsch. Malerischer klingts auf Französisch: Ajoie. Dieser weiche Wortklang passt besser zur Landschaft, die von sanften Hügeln, dichten Wäldern und saftigen Wiesen mit den berühmten Damassine-Pflaumen geprägt ist. Menschen gibts da draussen nur wenige. Und jene, die es gibt, gehen ziemlich ruppig miteinander um.

Das muss man zumindest annehmen, wenn man den Geschehnissen rund um die Bürgermeisterwahl von Porrentruy auf den Grund geht. Es geht um Missgunst, Rache und viele Jahre zurückliegende Verletzungen. Aber der Reihe nach.

Vergangene Woche hat das jurassische Strafgericht die bereits verhängte Geldstrafe gegen zwei Männer bestätigt. Laut den Richtern ist es erwiesen, dass beide unabhängig voneinander die Bürgermeisterwahl gefälscht hatten. Beide sollen 2012 Wahlumschläge eingesammelt und Wahlzettel selbst ausgefüllt haben. Ihre Tat hatte dazu geführt, dass der zweite Wahlgang, der Thomas Schaffter (CSP) eigentlich als Sieger hervorgebracht hatte, annulliert wurde. Im nachfolgenden Wahlgang obsiegte dann der CVP-Kandidat Pierre-Arnauld Fueg mit einem Plus von 152 Stimmen.

Die Rechnung ging nicht auf

Die Wahlfälscher hatten also das Ganze nicht nur manipuliert, sondern auch komplett ins Gegenteil gekehrt. Nun sass ein Vertreter der alteingesessenen Machtpartei CVP im feudalen Büro der Mairie von Porrentruy. Dabei wollten die zwei Fälscher offenbar genau dies verhindern. Denn der eine, so heisst es, wollte sich an seinem ehemaligen Chef Pierre-Arnauld Fueg rächen. Der andere, ein Gastronom, erhoffte sich von Thomas Schaffter lukrative Aufträge. Die Rechnung der beiden ging nicht auf. Das hat viel mit einem Lokaljournalisten zu tun, der den Betrug aufgedeckt hatte. Es scheint aber, dass der Zeitungsmann nicht ganz unbefangen ist. So berichten Kenner der Region, dass besagter Journalist mit Thomas Schaffter seit Jahren im Clinch liegt. War der journalistische Coup also vor allem ein Racheakt?

«C’est compliqué.» Es ist kompliziert. Da sind sich auch die verfeindeten Lager in der Ajoie, wo jeder jeden kennt, einig. Und sicher ist auch: Es bleibt spannend in dieser Ecke der Schweiz. Kommenden Herbst steht bereits die nächste Wahl zum Bürgermeister an. Gut möglich, dass wieder beide Streithähne – Thomas Schaffter und der amtierende Bürgermeister Fueg – antreten.

Die Rubrik «Unterdessen in» erscheint jeden Samstag in der gedruckten Ausgabe des «Tages-Anzeigers» und jeweils montags im «Bund». In den nächsten acht Wochen möchten wir herausfinden, ob sich auch unsere Online-Leser für skurrile Geschichten aus der ganzen Schweiz interessieren. Sie können uns dabei helfen – indem Sie untenstehende Umfrage beantworten. Besten Dank!

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Erstellt: 02.12.2016, 16:20 Uhr

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