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Der irrste Schneestreit der Schweiz

Unterdessen in Giswil OW: Auf der steilen Strasse nach Oberschwand gibt es kein Durchkommen. Niemand fühlt sich verantwortlich für die Schneeräumung.

Wer übernimmt den Winterdienst? Diese Frage spaltet Anwohner und Korporation Giswil. Symboldbild: Reuters
Wer übernimmt den Winterdienst? Diese Frage spaltet Anwohner und Korporation Giswil. Symboldbild: Reuters

Er deckt zu, dämpft ab, lässt Kinderherzen höher schlagen und Tourismusdirektoren jubilieren. Die Rede ist natürlich vom Schnee, dem Romantiker unter den Aggregatzuständen. In Giswil am Fusse des Brünigs sorgte die weisse Pracht aber für keine romantische Stimmung. Fast scheint es so, als wirkten im Dorf zwischen Lungerner- und Sarnersee die Schneeflocken wie Nadelstiche.

Es geht um die Alte Mörlistrasse, die schnell auf bis zu 28 Prozent ansteigt, direkt durchs Rütihubel hindurch, und den Weiler Oberschwand mit der Restwelt verbindet. Diese Lebensader von einem halben Dutzend Häusern ist derzeit von so viel Schnee bedeckt, dass es ohne Schneeketten, Spikes und Vierradantrieb für kein Auto ein Durchkommen gibt. Entsprechend sauer sind die Anwohner.

Dem «Blick» klagen sie ihr Leid. Max Scheidegger (66) zum Beispiel erhält derzeit weder von der Tochter noch von der Freundin Besuch. Sie schaffen es einfach nicht den Hoger hinauf. Zum Einkaufen müsse er zu Fuss gehen. «Dabei hat es mich schon mehrmals auf den Latz gehauen.»

Der Schuldige ist ausgemacht

Warum muss Max Scheidegger um seine Knochen fürchten? Wie lange steht Biobauer Julius Berchtold, der die Schneepiste bisher mit seinem Milchanhänger stets schadlos runtergerutscht ist, noch ein Schutzengel zur Seite?

Laut den eingeschneiten Anwohnern ist der Schuldige ausgemacht. Es sind ... nicht die Behörden! Denn die Alte Mörlistrasse gehört nicht zum Gemeindestrassennetz. Eigentümer des Strässchens ist die örtliche Korporation – anderswo auch als Bürgergemeinde bekannt. Sie ist es, die ihren Pflichten offenbar nicht nachkommen will. Aus Habgier, wie sich Max Scheidegger zitieren lässt.

An Schnee kann man sich auch die Finger verbrennen.

Bei der Korporation Giswil klingt es ganz anders. So gäbe es eine Abmachung mit den Anwohnern: Sie übernehmen den Winterdienst, die Korporation den Sommer. Daran halten wollen sich die Menschen von der Mörlistrasse aber nicht.

Wie in dieses Schneechaos wieder Ordnung ­gebracht werden kann, weiss derzeit niemand. ­Juristen kümmern sich nun um den Fall. Vielleicht lösts auch die Natur für die Menschen. Bald soll es wieder wärmer werden. Dann herrscht wohl Ruhe – bis zum nächsten Winter.

Eine manipulierte Regenkanone

PS: Noch ein Schneedrama: Ein Unbekannter hat in Münster VS die Beschneiungsanlagen zweimal manipuliert. Statt Schnee gabs darum über Nacht im Obergoms Regen. Ists die Tat eines lärmgeplagten Anwohners? Noch kennen die Behörden keine ­Antwort. Aber sicher ist: An Schnee kann man sich auch die Finger verbrennen.

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