Das Schweizer Recht auf schlechte Laune

St. Gallen und der Thurgau verhindern eine neue Expo. Mit guten Gründen.

Spektakulär, aber teuer: Die künstliche Wolke der Arteplage Yverdon an der Expo.02. Foto: Keystone

Spektakulär, aber teuer: Die künstliche Wolke der Arteplage Yverdon an der Expo.02. Foto: Keystone

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Die Ostschweiz müsse ihre Expo-Träume begraben, titelt das «Bündner Tagblatt». Am besten begräbt die Ostschweiz ihre Träume im neuen Gotthardtunnel. Der Tunnel wurde letzte Woche eröffnet, die Expo 2027 ging am Sonntag zu Ende. Dabei hatte sie noch gar nicht angefangen: Das Stimmvolk in St. Gallen und im Thurgau hat die Planungskredite von 5 beziehungsweise 3 Millionen überraschend deutlich abgelehnt.

Die Schweizer freuen sich offensichtlich mehr über Löcher als über Feste. Sie ziehen das Dauerhafte dem Temporären vor. Sie misstrauen Grossprojekten wie «Olympia Graubünden», sie taten sich schon mit der letzten Landesausstellung schwer. Die Expo.02 ging ein Jahr später auf als geplant, sie kostete siebenmal mehr als veranschlagt, Kaderleute mussten wegen Inkompetenz aussortiert werden, es gab Riesenlämpen zwischen den Kantonen, die Wirtschaft tat blöd. Trotzdem entstand eine grossartige Ausstellung, die weltweit Beachtung fand – schön, klug, verspielt, visionär.

Und jetzt? Fehlt der Ostschweiz der Mut zu etwas Grossem, wie die «Thurgauer Zeitung» kommentiert? Wird die Region von der Restschweiz mitleidig belächelt werden, wie sich das «St. Galler Tagblatt» sorgt? War es gescheit, jetzt ein paar Millionen einzusparen und damit einen Grossanlass zu verhindern, der einer ganzen Region genutzt hätte – ein überdimensioniertes Seefest?

Die Thurgauer und St. Galler wollen kein solches Fest verpasst bekommen. Man kann sie verstehen. Denn egal wie schön die Expo.02 herauskam, ihre Planung und Finanzierung geriet zum Desaster. Wenn die Ostschweizer schlechte Laune haben, dann aufgrund von schlechten Erfahrungen. Und es gibt ein Recht auf schlechte Laune in der Schweiz: Es heisst Demokratie.

Erstellt: 06.06.2016, 22:19 Uhr

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