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Das Selbstvertrauen der CVP scheint dahin

Mit aggressiver Negativwerbung schiesst die Mittepartei auf die Konkurrenz. Es ist ein Zeichen von Ratlosigkeit.

Die Schweiz wäre auf eine starke Mitte angewiesen: Traubenzucker-Werbegeschenk der Partei für die Wahlen 2019. Foto: Christian Beutler (Keystone)
Die Schweiz wäre auf eine starke Mitte angewiesen: Traubenzucker-Werbegeschenk der Partei für die Wahlen 2019. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Wer hätte es gedacht, die CVP kann auch böse sein. Via Suchmaschine lockt sie Internetsurfer auf eine Website mit unverfänglichem Titel, wo die Betreffenden mit negativer Wahlwerbung eingedeckt werden: Kandidaten der Konkurrenzparteien finden sich dort als Apologeten falscher Konzepte angeprangert.

Die Betroffenen reagieren erbost; die CVP-Aktion wird seit gestern in den sozialen Medien heftig diskutiert und kritisiert. Ausgerechnet die biedere Christlichdemokratie steht auf einmal als Trendsetterin des Fiesen da: Sie betreibe «Negative Campaigning», lautet der Vorwurf – das gezielte Schlechtmachen des Gegners, wie es insbesondere in den USA seit langem üblich ist.

Nun verdient die Idee des Negative Campaigning durchaus ein paar vertiefte Gedankengänge. Es ist kaum zu bestreiten, dass die Schmäh-Spots aus den US-Wahlkämpfen oft interessantere Erkenntnisse vermitteln als blutarme Reklame für die eigene Person – ganz zu schweigen davon, dass die Negativwerbung in der Regel witziger ist und mehr Debattenstoff liefert.

Alle anderen als Nullen hinzustellen, macht höchstens den Absender unglaubwürdig.

Gerade das CVP-Beispiel zeigt allerdings, dass das amerikanische Modell in der Schweiz nicht funktionieren kann. Hier duellieren sich eben keine Gegnerpaare aus einem Zweiparteiensystem. Alle Akteure der vielfältigen Schweizer Parteienlandschaft als Nullen und nur sich selber als fähig hinzustellen, das macht höchstens den Absender unglaubwürdig. Erst recht gilt dies für einen Absender aus der politischen Mitte, deren «konstruktive» Politik sich von den Aggressionen der Pole links und rechts abheben soll. Es spricht für sich, dass verschiedene CVP-Kantonalsektionen zu der von der Mutterpartei initiierten Kampagne sogleich auf Distanz gingen.

Insgesamt lässt der ganze Aufruhr betrübliche Defizite aufseiten der CVP erkennen. Wenn ihr schon nicht wisst, weshalb ihr uns wählen sollt, nennen wir euch wenigstens ein paar Gründe, die anderen abzuwählen: So könnte das Motto der Stunde lauten. Das Selbstbewusstsein scheint dahin. Schade, denn die Schweiz wäre auf eine starke Mitte angewiesen.

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