Das Versäumnis am Anfang

Wenn man den Bewerbungsprozess für die Winterspiele 2026 zeitig initiiert hätte, gäbe es nicht so viele Unwägbarkeiten.

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Vordergründig geht die Taktik der Olympiapromotoren auf: Der Ständerat ist nicht bereit, die Bewerbung für die Winterspiele 2026 einer Volksbefragung zu unterziehen – dies im Gegensatz zum Nationalrat. Damit ist eines der grössten Hindernisse für die Olympiakampagne aus dem Weg geräumt. Denn die Launen der Stimmbevölkerung sind unberechenbar – ein Nein wäre aus heutiger Sicht wahrscheinlich. Den Ständeräten deswegen den Vorwurf zu machen, sie wollten einen so wichtigen Entscheid am Volk vorbeischmuggeln, greift zu kurz. Das mag für Überzeugungstäter wie SP-Ständerat Hans Stöckli zutreffen. Er will als Vizepräsident von Sion 2026 die Spiele um jeden Preis. Die meisten Ständeräte bemängeln jedoch zu Recht, dass ein Ja zu einer Volksbefragung zur Folge hätte, dass man andere gewichtige Kreditbeschlüsse ebenfalls einem fakultativen Referendum unterstellen müsste. Und das hätte weitreichende Konsequenzen.

Hinzu kommt: Eine jetzt noch erzwungene nationale Abstimmung würde – ungeachtet des Ausgangs – das Vorhaben zum Absturz bringen. Denn bis zur Einreichung der Kandidatur Ende Januar 2019 ist ein Urnengang nicht zu bewerkstelligen. Und eine Kandidatur mit einem Vorbehalt beim Internationalen Olympischen Komitee (IOK) einzureichen, wäre wohl vergeblich. Das IOK wehrt sich zwar offiziell nicht gegen Vorbehalte, aber es wünscht sich, dass Kandidaturen eine breite Unterstützung in der Bevölkerung geniessen.

Den Champagner können die Schweizer Olympiapromotoren aber noch lange nicht kühl stellen. Das Wallis muss mitspielen, im Kanton Bern will man auch noch das Volk konsultieren, und die eidgenössischen Parlamentarier müssen dem Kredit von rund einer Milliarde Franken zustimmen. Wenn man den Bewerbungsprozess zeitig initiiert hätte, gäbe es nicht so viele Unwägbarkeiten. Die Olympiafans hätten es selber in der Hand gehabt, eine Volksabstimmung frühzeitig anzustossen. Hätte sich dabei gezeigt, dass die Schweizer hinter einer Austragung von Olympischen Winterspielen stehen, wäre das ein starkes Signal an die Adresse des IOK gewesen. Diese Unterlassungen könnten sich noch rächen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.04.2018, 22:10 Uhr

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