Das Wallis ist im Aufbruch

Mit ihrem Nein zu Olympia haben sich die Walliser weiter von alten Herrschaften emanzipiert.

Das Walliser Stimmvolk lehnte das Olympiaprojekt Sion 2026 ab: Ein Wähler am Abstimmungssonntag.

Das Walliser Stimmvolk lehnte das Olympiaprojekt Sion 2026 ab: Ein Wähler am Abstimmungssonntag. Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

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Die Verlockung war riesig: 17 Tage Olympiaparty, 1 Milliarde Franken des Bundes, 6000 neue Stellen, Hunderttausende Touristen vor Ort, Milliarden TV-Zuschauer in aller Welt. Und bei all dem versprachen Regierende und Organisatoren: Kein Defizit. Das Walliser Stimmvolk lehnte das Olympiaprojekt Sion 2026 trotzdem ab. Das zeugt von Selbstvertrauen.

Vorbei sind die Zeiten wie jene vom 8. Juni 1997, als 67 Prozent der Walliser für die Austragung der Olympischen Winterspiele 2006 votierten. Das Wallis braucht keine Bundesmilliarde mehr, um Gefühle von Benachteiligung zu kompensieren. Die Walliser wollen ihre Zukunft selbst bestimmen, auch wenn die Abwanderung kluger Köpfe nach wie vor gross ist. Vor allem junge Menschen waren gegen Sion 2026.

Das Sensorium für Vetterliwirtschaft hat sich geschärft.

Dafür gibt es diverse Gründe. Der Walliser Wirtschaft geht es gut. Die Zahl der Arbeitslosen ist rückläufig. Ende Mai betrug die Quote 2,7 Prozent – trotz Annahme der Zweitwohnungsinitiative und der Revision des Raumplanungsgesetzes. Windigen Immobilienunternehmern wie Christian Constantin will man kein Terrain überlassen. Zu Constantins Rolle bei Sion 2026 fehlte es an Transparenz. Das Sensorium für Vetterliwirtschaft hat sich geschärft. So verfing auch das Argument, man solle sich dem unlauteren, ja korrupten Olympischen Komitee nicht unterwerfen.

Das Wallis hat sich auch wegen der zunehmenden Einwanderung ins Unterwallis verändert. Zuzüger fühlen sich alten Hierarchien nicht verpflichtet. Die Macht bürgerlicher Parteien und der Regierung schwindet. Die Zivilgesellschaft tauscht sich immer mehr über soziale Medien aus und erzeugt eine Dynamik, in der sich auch die Medien von Obrigkeiten emanzipieren müssen. Das neue Wallis ist mit dem Nein zu Sion 2026 manifest geworden.

Erstellt: 11.06.2018, 18:56 Uhr

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