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Das Wallis will Budget-Spiele – oder nichts

Die Walliser wollen ein günstiges Olympiaprojekt – und hoffen auf Gratis-Polizisten aus anderen Kantonen.

Philippe Reichen, Markus Brotschi
75 Millionen Franken sollen in Sportstätten im Kanton Wallis investiert werden. Foto: Fabrizio Bensch (Reuters)
75 Millionen Franken sollen in Sportstätten im Kanton Wallis investiert werden. Foto: Fabrizio Bensch (Reuters)

Für den Walliser Staatsrat Frédéric Favre könnte das Olympiaprojekt Sion 2026 zum wichtigsten Geschäft seiner politischen Karriere werden. Dabei ist der Sport- und Sicherheitsdirektor gerade mal sieben Monate im Amt. Die Walliser wählten den 38-jährigen FDP-Politiker im Frühjahr in die Regierung, anstelle von Oskar Freysinger (SVP).

Gestern ist Favre offiziell in die Olympiakampagne eingestiegen, sekundiert von seinen Ratskollegen, den ehemaligen Nationalräten Roberto Schmidt und Christophe Darbellay (beide CVP). Favre warb mit markigen Worten für Sion 2026, den Blick fest auf die kantonale Olympiaabstimmung vom 10. Juni 2018 gerichtet. Obwohl Wettkämpfe auch in den Kantonen Bern, Waadt, Freiburg und Graubünden geplant sind, wird die Abstimmung im Wallis vorentscheidend.

Als ehemaliger Personalchef der Migros Wallis weiss Favre, wie man Kunden oder eben Stimmen gewinnt. Er verspricht: Das Wallis als Hauptaustragungsort bekomme einen Anlass von grosser Qualität und internationaler Ausstrahlung zum Schnäppchenpreis. M-Budget-Spiele sozusagen. Zwar veranschlagt das Olympia-Initiativkomitee um den Waadtländer Anwalt Jean-Philippe Rochat ein Organisationsbudget von 1,9 Milliarden Franken, gemäss Favre kosten die geplanten Infrastrukturbauten den Kanton Wallis aber nur 60 Millionen.

Das Wallis werde keine neuen Strassen, Metros, Flughäfen oder Stadien bauen. Bestehendes müsse genügen.

Der 38-Jährige sagt, er habe sich vor wenigen Tagen in Lausanne mit Vertretern des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) getroffen und bei dieser Gelegenheit klargemacht: Das Wallis werde keine neuen Strassen, Metros, Flughäfen oder Stadien bauen. Bestehendes müsse genügen. In Sportstätten werde man gezielt investieren.

Konkret: 20Millionen in das Sportzentrum in Fiesch, um darin Athleten der nordischen Disziplinen unterzubringen; 12Millionen in die Langlaufanlage in Goms; und 43Millionen in die Alpinanlagen in Crans-Montana und Thyon/Veysonnaz. Nebst dem Kanton beteiligen sich auch Bund, Gemeinden und Private an den Investitionen. Das olympische Dorf und die millionenteure neue Eishalle in Visp tauchen auf der Investitionsliste der Kantonskasse gar nicht erst auf. Das Dorf will eine bislang nicht genannte Investorengruppe finanzieren und später kommerzialisieren. Und die Eishalle in Visp baut die Gemeinde für den Eishockeyclub – «mit oder ohne Olympische Spiele», so Frédéric Favre. Die Eröffnungs- und Schlusszeremonien würden im Fussballstadion Tourbillon stattfinden. Die Stadt Sion als Besitzerin plant, die Sitzplatzkapazität für Olympia temporär von 18'000 auf 25'000 Plätze zu erhöhen.

Und wenn das IOK trotz Vereinbarungen zur Einsicht kommt, dass zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur unabdingbar sind? Da herrsche «Nulltoleranz», so Favre. Seine Botschaft sei klar: «Das IOK kann dem Kanton keine Investitionen befehlen. Wir ändern unsere Philosophie nicht. Sonst muss sich das Olympische Komitee einen anderen Kandidaten suchen oder die Mehrkosten für zusätzliche Infrastrukturen übernehmen.» Im schlimmsten Fall könne man aus seiner Verpflichtung als Austragungsort auch wieder zurücktreten, so der 38-Jährige.

Wichtig wird mit Blick auf die kantonale Abstimmung die Botschaft sein, dass Sion als Austragungsort keine Defizitgarantie übernehmen muss. Der Vertragspartner des IOK wird ein Verein sein, der nun gegründet wird, mit Frédéric Favre als Vertreter des Wallis. Eine unlimitierte Defizitgarantie verlangt das IOK nicht, aber Absicherungen gegen Verluste. Favre ist optimistisch: «So wie Sion 2026 konzipiert ist, ist ein Milliardendefizit wie in vergangenen Jahren unmöglich.» Zweifel bestehen. Gerade auch bei den Sicherheitskosten, die zu einem nationalen Thema werden.

Alle Kantone sollen zahlen

Das Komitee Sion 2026 rechnet mit Sicherheitskosten von 303Millionen Franken. Der Bund wird einen Anteil von 129Millionen Franken übernehmen: für Leistungen der Kantonspolizeien, der Armee, des Grenzwachtkorps und des Geheimdienstes. Die Kantone sollen 174Millionen Franken tragen. Staatsrat Favre fordert, dass die 26Kantone die Kosten unter sich aufteilen, wie bei der Austragung der Fussball-Europameisterschaft 2008. Er hat sich mit einem Brief an die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) gewandt. Im Schreiben fordert er die Reaktivierung des Verteilschlüssels der Kantone für die Euro 08. Ob es wieder dazu kommt, ist offen.

Die KKJPD wird sich Ende kommender Woche an ihrer Herbsttagung mit der Walliser Forderung befassen. Doch entscheidend wird sein, welche Empfehlung die Konferenz der Kantonsregierungen im März zum Kostenteiler abgibt. Am Schluss entscheidet ohnehin jeder Kanton selbst, ob er die Austragungskantone unterstützt. An der Fussball-EM 2008 stellten Kantone, in denen keine Spiele stattfanden, den Austragungskantonen Polizisten umsonst zur Verfügung. Zurzeit verrechnen die Kantone für einen ausserkantonalen Einsatz pro Polizist und Tag 600Franken.

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