Darbellays Seitensprung – verzeiht ihm das Wallis?

Der frühere CVP-Präsident will in die Regierung des Bergkantons. Walliser Exponenten sagen, ob das jetzt noch möglich ist.

Christophe Darbellay konnte seine Affäre lange geheim halten. Foto: Olivier Maire (Keystone)

Christophe Darbellay konnte seine Affäre lange geheim halten. Foto: Olivier Maire (Keystone)

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Christophe Darbellay hat starke Nerven. Wäre sein im Dezember begangener Seitensprung diesen Frühling bekannt geworden, wäre seine politische Karriere heute zu Ende. Der amtierende CVP-Staatsrat Maurice Tornay hätte die Affäre genutzt, um im Mai an der Nominationsversammlung für die Regierungswahlen seinen parteiinternen Widersacher aus dem Feld zu jagen. Doch die Sache blieb geheim. So konnte Darbellay den Unterwalliser CVP-Präsidenten Serge Métrailler letzte Woche in aller Ruhe auf die Enthüllungsgeschichte des «SonntagsBlicks» vorbereiten.

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Schadet Darbellay die Geschichte mit dem Seitensprung?




Die Zeitung schrieb vorgestern, dass Darbellay zum vierten Mal Vater geworden sei. Das Kind sei aber nicht von seiner Frau. Sie zitierte den 45-Jährigen: «Ich bereue mein Verhalten zutiefst, und ich habe meine Ehefrau und meine Familie um Verzeihung gebeten.» Im gestrigen «Blick» schob Darbellay nach: «Dem Recht und Wunsch des Kindes, eine Beziehung zu seinem Vater zu halten, werde ich jederzeit stattgeben.» Er habe es bereits vor der Geburt offiziell anerkannt und auch die finanziellen Verpflichtungen geregelt.

CVP-Präsident Métrailler sagt über das Gespräch mit Darbellay: «Ich war überrascht. Wir haben lange diskutiert: über die menschliche Dimension, aber auch über die politischen Konsequenzen.» Métrailler ist zuversichtlich, dass das Volk Darbellay die Affäre nachsieht. Er lobt ihn als «starke Persönlichkeit», bezeichnet den Seitensprung als «private Affäre» und befürchtet nicht, dass diese «zu einem politischen Argument» werden könnte. Auch Philipp Matthias Bregy, CVP-Fraktionschef im Grossen Rat, zweifelt nicht am Staatsratskandidaten Darbellay. Er sagt: «Wie er selbst sagt, beging er einen schweren Fehler, der jedoch mit dem politischen Leistungsausweis nichts zu tun hat.»

«Das Wallis wird lockerer»

In Walliser Politikerkreisen zirkulieren bereits Witze über den Seitensprung. Ein Politiker mokiert sich: Bildungs­direktor Oskar Freysinger (SVP) müsse dringend den Sexualkundeunterricht reformieren und über die korrekte Verwendung des Präservativs informieren. Vor allem ist man gespannt, wie der Familienpolitiker in Zukunft über die CVP-Kernthemen Ehe, Kinder und Familie sprechen wird.

Peter Bodenmann, Hotelier in Brig und ehemaliger Präsident der SP Schweiz, will die Affäre nicht kommentieren. Dass das Volk Darbellay bei den Staatsratswahlen im März 2017 für den Ehebruch abstraft, glaubt auch er nicht. «Das Wallis wird lockerer», sagt Bodenmann und spielt damit auf den seit Jahren erodierenden Einfluss der Kirche auf die Gesellschaft an. «Das Verhältnis zwischen Kirche und Familie war schon immer ambivalent», sagt Thomas Gsponer, Politbeobachter und ehemaliger CSP-Grossrat. «Die sonntäglichen Botschaften der Priester von der Kanzel hatten selten einen Einfluss auf das Verhalten im Wirtschafts- oder Privatleben», so Gsponer. Als Beleg dafür gilt die Wahl von CVP-Politiker Daniel Lauber, der in den 70er-Jahren als Gemeindepräsident von Zermatt und 1983 in den Ständerat gewählt wurde. Lauber lebte mit einer Freundin zusammen, obwohl er verheiratet war. Der Dorfpfarrer warnte damals von der Kanzel herab vor dem Politiker. Lauber schadeten die Worte des Geistlichen aber nicht.

Für Christophe Darbellay beginnt die entscheidende Wahlkampfphase für das Amt als Staatsrat im Dezember. Der erste Wahlgang findet im März 2017 statt. Bis dahin bleibt ihm Zeit, sich um seine Familie zu kümmern, wie ihm das auch CVP-Präsident Métrailler im 4-Augen-Gespräch geraten hat. Im «SonntagsBlick» sagte Darbellay: «Obschon ich meine Ehefrau zutiefst verletzt habe, hat sie sich entschieden, diese schwierige Situation an meiner Seite zu meistern.»

Erstellt: 13.09.2016, 06:03 Uhr

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