«Das war keine normale Bundesratswahl»

Regula Rytz wirft den anderen Parteien vor, die alten Mehrheiten zu zementieren. Es brauche starken Druck aus der Bevölkerung.

Bundesratskandidatin aber nicht zur Magistratin gekürt: Regula Rytz. Foto: Joseph Khakshouri

Bundesratskandidatin aber nicht zur Magistratin gekürt: Regula Rytz. Foto: Joseph Khakshouri

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Regula Rytz, Sie haben nur 82 Stimmen erhalten. Sind Sie enttäuscht? 
Ich war Realistin. Mit Ausnahme der SP haben sich alle anderen Parteien für die Zementierung der aktuellen Verhältnisse entschieden, also für eine Übervertretung von FDP und SVP im Bundesrat. Aber sie haben immerhin versprochen, über eine bessere Vertretung der Wählerinnen und Wähler in der Landesregierung zu diskutieren.

Sind Sie froh, dass dieser Bundesratswahlkampf endlich vorbei ist?
Das grosse Medieninteresse in den letzten Wochen war eine Herausforderung. Insofern bin ich froh, dass wir nun zur konkreten Arbeit übergehen können. Denn dies bringt am Schluss die nötigen Veränderungen, die unser Land voranbringen und die der jungen Generation eine Zukunft bieten.  

Von den anderen Parteien wurde kritisiert, Ihre Kandidatur sei nicht gut aufgegleist worden. Sehen Sie auch Fehler bei sich selbst?
Wir wurden offiziell nur von der SP unterstützt, und das Resultat bildet dies ab. Das hat uns die gut 80 Stimmen gebracht, die wir uns zum Ziel gesetzt haben. Die anderen Fraktionen haben aber die Bereitschaft signalisiert, die zukünftige Zusammensetzung des Bundesrates zu überdenken. Das ist das erste Resultat dieser Kandidatur. 

Sie sehen also keinen Anlass zur Selbstkritik?
Ich habe von Anfang an gesagt, dass die Hürde sehr hoch sein werde, und dies hat sich heute bestätigt. Das war keine normale Bundesratswahl. Wir hatten eine grosse Verschiebung bei den Wahlen, und gleichzeitig war kein Platz frei im Bundesrat. Dies liegt daran, dass heute die Sitze bereits während der Legislatur ersetzt werden.  

Die GLP hat Ihnen die kalte Schulter gezeigt. Wie sehen Sie die künftige Zusammenarbeit mit jener Partei, die in ökologischen Fragen Ihre Verbündete sein müsste?
Wir müssen in der Umwelt- und der Sozialpolitik Lösungen finden, auch zur Positionierung der Schweiz in der Welt. Dazu werden wir selbstverständlich mit allen anderen Parteien zusammenarbeiten. Das ist unser Auftrag, und es ist unsere Art zu politisieren, seit es uns gibt. Wir bleiben lösungsorientiert, auch in der Zusammenarbeit mit den Grünliberalen.

«Diese Arbeit fängt jetzt erst richtig an, zwar unter anderen Voraussetzungen, aber die bürgerlichen Parteien haben immer noch die Mehrheit.»

Die Grünen wollen bei jeder künftigen Vakanz eine erneute Kandidatur prüfen. Stehen Sie beim nächsten Versuch erneut für eine Kandidatur zur Verfügung?
Ich werde mich jetzt sicher nicht zu künftigen Plänen äussern. Für mich ist es wichtig, dass wir mit dieser grossen Fraktion nun an Lösungen mitarbeiten. 

Aus dem sogenannt ökologisch-progressiven Lager werden bereits in den ersten Tagen der neuen Legislatur Vorwürfe an die GLP und die CVP gerichtet wegen Beschlüssen zu den Kampfjets oder zum Gewässerschutz. Glauben Sie tatsächlich an Fortschritte in Ihrem Sinne?
Wir werden immer noch für jede Verbesserung Vertreterinnen und Vertreter aus anderen Parteien überzeugen müssen. Diese Arbeit fängt jetzt erst richtig an, zwar unter anderen Voraussetzungen, aber die bürgerlichen Parteien haben immer noch die Mehrheit. Es wird sehr stark an der CVP liegen, in welche Richtung es weitergeht. Wir machen uns keine Illusionen. Der Druck der Menschen muss weiter spürbar sein, sonst bewegt sich das Parlament weiterhin nur mit zu kleinen Schritten.

Erstellt: 11.12.2019, 18:53 Uhr

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