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«Der Kunde erkennt nicht, dass die Pelze aus Quälzuchten stammen»

Weil die Deklarationspflicht zu wenig gebracht habe, fordern Politiker jetzt ein Importverbot für Fellprodukte. Die Chancen stehen gut.

«Der Kunde kann nicht erkennen, dass die Pelze aus Quälzuchten stammen», sagt Berner SP-Nationalrat Matthias Aebischer, der den Vorstoss einreichte. Foto: Keystone
«Der Kunde kann nicht erkennen, dass die Pelze aus Quälzuchten stammen», sagt Berner SP-Nationalrat Matthias Aebischer, der den Vorstoss einreichte. Foto: Keystone

Kleider mit echten Pelzen sind in Mode. Jacken mit Waschbärkragen oder Mützen mit Pelzzotteln finden vor allem junge Käufer. Damit könnte es aber bald ein Ende haben. Eine breite Allianz von Politikern verlangt vom Bundesrat, ein Importverbot für «tierquälerisch erzeugte Pelzprodukte» zu erlassen. Der Berner SP-Nationalrat Matthias Aebischer hat einen entsprechenden Vorstoss eingereicht.

Dies würde faktisch zu einem generellen Verbot für Pelzimporte führen. Geschätzte 90 Prozent der in die Schweiz importierten und hier verkauften Pelze stammen aus Käfighaltung, und rund 10 Prozent aus Fängen mit Tellereisen, Schlingen- oder Totschlagfallen.

Zum grossen Teil handelt es sich bei den Importpelzen um sogenannte Pelzbesätze, wie man sie zum Beispiel bei Kapuzen von Outdoorjacken findet, und die in der Regel aus einer Billigproduktion stammen. Dort sind Fallenfang und Käfighaltung weitverbreitet. Diese sind aber in der Schweiz verboten und gelten als tierquälerisch. Inländische Pelze aus Abschüssen werden kaum verkauft. Die Zahlen stammen vom Zürcher Tierschutz, der sich auf Recherchen in Modegeschäften beruft. Offizielle Zahlen gibt es nicht.

Die Deklarationspflicht hat wenig bewirkt

Ein erster Anlauf für ein Importverbot scheiterte vor zehn Jahren. Der Bundesrat hat stattdessen eine Deklarationspflicht für Pelze eingeführt. Diese sollte Herkunft und Produktionsart von Pelzen klarmachen und so verhindern, dass tierquälerisch gewonnene Pelze verkauft werden.

Der Erfolg sei indes ausgeblieben, sagt Aebischer. Vor zwei Jahren hat eine Recherche des Zürcher Tierschutzes ergeben, dass ein Drittel von über 300 untersuchten Pelzen überhaupt nicht deklariert war. Ein aktueller Bericht des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen sagt, dass letztes Jahr bei rund 6700 kontrollierten Fellprodukten in 71 Prozent der Läden Kleider gefunden worden seien, die nicht oder falsch deklariert waren.

Die Chancen für ein Importverbot stehen gut

Rund ein Sechstel aller damals untersuchten Pelzartikel stammte von Polarfüchsen. Diese werden in der Zucht so gemästet, dass sie vier- bis fünfmal so schwer werden wie ihre frei lebenden Artgenossen – weil grössere Tiere auch grössere Pelze bedeuten. Die Monsterfüchse, so kritisieren Tierschützer, hätten oft schwere Augenentzündungen und Probleme mit den Beinen, könnten sich kaum noch bewegen und würden völlig apathisch.

Für Aebischer ist klar: «Der Kunde kann nicht erkennen, dass die Pelze aus Quälzuchten und grausamer Fallenjagd stammen. Die Deklaration schafft nicht ausreichend Klarheit, um den Verkauf von tierquälerisch erzeugtem Pelz zu verhindern. Deshalb braucht es jetzt ein Verbot.»

Die Chancen für ein Importverbot stehen gut. Denn inzwischen gibt es schon tierschützerisch motivierte Teilverbote. Die Schweiz hat die von der EU erlassenen Einfuhrverbote für Robbenprodukte sowie für Hunde- und Katzenfelle übernommen. Und die Forderung nach dem generellen Verbot ist diesmal politisch breit abgestützt. Unterschrieben haben nicht nur Nationalräte der SP, der Grünen und der Grünliberalen. Auch Parlamentarier aus der SVP und der FDP, die Handelsverboten in der Regel skeptisch gegenüberstehen, unterstützen das Vorhaben.

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