«Den Leuten gefällt, dass wir uns über sie lustig machen»

Vincent Veillon (30) widerspricht seinem Vater Pierre-François (66) ungern. Trotzdem würde der Satiriker den SVP-Politiker nie in seine Sendung einladen.

Wie der Vater, so nicht der Sohn: Pierre-François war Bauer und SVP-Nationalrat, Vincent ist Satiriker am Westschweizer Radio und TV. Bild: Sabina Bobst

Wie der Vater, so nicht der Sohn: Pierre-François war Bauer und SVP-Nationalrat, Vincent ist Satiriker am Westschweizer Radio und TV. Bild: Sabina Bobst

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Vincent Veillon begann als Journalist, entwickelte sich zum Komiker und betreibt heute mit seinem Kollegen Vincent Kucholl am Westschweizer Fernsehen die brillante Satiresendung «26 Minutes». Regelmässig befasst sich die Sendung mit der Politik und zielt regelmässig auch auf die SVP. Vincents Vater Pierre-François amtete als Staatsrat und Nationalrat für die UDC, wie die SVP im Welschland heisst. Heute arbeitet er als selbstständiger Agraringenieur.

Wir treffen die beiden in Nyon in der gutbürgerlichen Auberge du Château. Die Atmosphäre zwischen Vater und Sohn ist gelöst, etwas zu entspannt für ein Gespräch, das doch von Differenzen lebt. Wie kann ein linker Satiriker keine Lämpen haben mit einem ländlich-konservativen Vater? Wie kann ein Vater so gelassen auf einen Sohn reagieren, der regelmässig über seine Partei herzieht?

Beinahe täglich brechen neue ­Schreckensbotschaften über uns herein. Was lösen sie bei Ihnen aus?
Vincent Veillon: Man reagiert gefühlsmässig und nicht analytisch. Als Journalist erschreckt mich das Verhalten der Medien, die Art, wie der Horror inszeniert wird. Der französische Sender etwa, der in Nizza einen Mann neben der Leiche seiner Frau interviewt.

Alt trifft Jung: Pierre-François und Vincent Veillon. Video: Tages-Anzeiger

Pierre-François Veillon, können Sie sich an eine Zeit erinnern, die ­derart von ­Terror, Kriegen und politischer Instabilität geprägt war?
Pierre-François Veillon: Nein. In Europa hegten wir nach dem 2. Weltkrieg eine Hoffnung: dass wir nie mehr einen Krieg erleben würden. Jetzt müssen wir akzeptieren, dass das nicht mehr stimmt. Wir sehen uns heute wieder einer Art von Krieg gegenüber, auch wenn er von unseren Gegnern ganz anders geführt wird – als Kollateralkrieg. Die Frage ist, wie wir damit umgehen.

Wie geht man als Satiriker mit Attentaten um?
Vincent: Das Problem ergab sich bei unserer ersten Sendung am Fernsehen. Als Vincent Kucholl und ich uns vorbereiteten, hatte gerade die Attacke auf «Charlie Hebdo» stattgefunden. Wir haben einen Bericht gemacht über welsche Karikaturisten und wie sie auf das Attentat reagierten. Wir haben also wenig riskiert. Aber das war uns immer noch lieber als ein Kommentar, bei dem wir uns im Ton vergriffen hätten.

In einer Sendung nach den Pariser Anschlägen spielte Ihr Kollege Vincent Kucholl Pucky. Der Polizist der Waadtländer Sondereinheit war neidisch auf seine Pariser Kollegen.
Vincent: Das ist ein Reflex, den wir oft benutzen: Wir zeigen das welsche oder das Schweizer Pendant. Wir spielen damit, dass hier alles viel kleiner und harmloser ist. Pierre-François: Die Frage ist doch: Bedient man sich dieser Affären, oder hält man sich zurück, bleibt man diskret? Vincent: Wer nichts zu sagen hat, sollte schweigen. Schweigen heisst ja auch Trauern.

Ist nicht in die Fussstapfen des Vaters getreten: Vincent Veillon beim Radio RTS.

Plantu, der Karikaturist von «Le Monde», hat einen Film über seine Kollegen in Russland, Algerien, Israel oder den USA gedreht. Einige bekamen ­Berufsverbot, die meisten wurden schikaniert, andere ­gefoltert. Da steht doch sehr viel mehr auf dem Spiel als bei uns.
Vincent: Natürlich, solche Reaktionen lösen wir nicht aus. Als Satiriker lebt man gut und sicher in der Schweiz. Bei uns beklagen sich die Leute nicht, dass wir uns über sie lustig machen, im Gegenteil: Sie wollen noch mehr davon. Sogar die Schweizer Armee kann von unseren Parodien nicht genug bekommen. Das mag zeigen, wie ungefährlich wir sind. Ich ziehe es vor, von der Intelligenz der Karikierten zu sprechen. Und ja: Ich bin froh, nicht in einer Diktatur lustig sein zu wollen. Pierre-François: Die Diskussion in Frankreich über die Grenzen der Satire fand ich richtig. Ich kann nicht nachvollziehen, dass jede Karikatur erlaubt sein soll, unabhängig davon, wie verletzend sie ist. Manchmal scheint mir Zurückhaltung und Respekt angebracht.

Weder die dänischen noch die ­französischen Karikaturen waren lustig. Sie waren nur schlecht.
Vincent: Was mich auf der Gegenseite störte: das generelle Bilderverbot. Warum soll man Mohammed in einem liberalen Staat nicht zeigen dürfen? Im Übrigen bin ich mit meinem Vater einverstanden. Es ist etwas naiv, zu argumentieren, Satire dürfe alles. Gerade bei einem so aufgeladenen Thema.

Pierre-François Veillon, wie wurden Sie politisch sozialisiert?
Pierre-François: Mein Vater war ein sozialdemokratischer Abgeordneter im Waadtländer Grossen Rat – zu einer Zeit, als es um bezahlten Urlaub ging, nicht um die Forderungen von heute. Vincent: ... und zack! Pierre-François: Schon ganz jung schloss ich mich dem Parti des Paysans, Artisans et Indépendants (PAI) an. Einer konservativen, aber pragmatischen Partei der Bauern und Kleingewerbler, einer Vorläuferin der SVP. Ich machte dort Karriere, wurde Staatsrat und später für die SVP Nationalrat. Vincent: Jetzt wird es interessant. Pierre-François: Ich fühlte mich immer wohl in dieser Partei, teile ihre Überzeugungen zu Europa und zur Ausländerpolitik. Was nicht heisst, dass ich meiner Partei in allem gefolgt bin. Ich habe immer so gestimmt, wie ich wollte. Manchmal kam mir diese Opposition aus Prinzip blödsinnig vor, bei der Armeereform etwa oder beim revidierten Asylgesetz. Nach der Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf war ich dagegen, sie auszuschliessen. Dennoch dachte ich nie daran, der BDP beizutreten.

Wie würden Sie in Ihrer Sendung auf Ihren Vater reagieren?
Vincent: Ich würde ihn nie einladen. Ich kenne ihn zu gut und möchte ihm nicht wehtun.

Würde seinen Vater nie als Gast in seine Sendung einladen: Vincent Veillon und Vincent Kucholl moderieren zusammen die Westschweizer Satiresendung «26 Minutes».

Als Politiker, nicht als Vater.
Vincent: Die Frage wird mir oft gestellt: Dein Vater ist in der SVP, wie geht das mit deiner Haltung zusammen? Meine Antwort ist immer dieselbe: Mein Vater ist doch ein Netter. Und nicht zu vergleichen mit der neueren, aggressiven Generation mit Typen wie Oskar Freysinger oder Roger Köppel. Pierre-François: Stellen Sie sich vor, wo die Schweiz heute ohne die SVP wäre, ohne diese Gegenkraft. Was aber stimmt: Früher war die Partei ländlicher und ausgeglichener als heute. Und ich selber bin kompromissbereiter als andere. Auch weil ich lange als Staatsrat in der Exekutive gearbeitet habe.

Nach einem Finanzskandal mussten Sie 1996 zurücktreten.
Pierre-François: Ich ging damals durch die politische Hölle. Es ging um ein Kartell im Baugewerbe, von dem namhafte Freisinnige finanziell profitiert hatten. Die Sache hat mich völlig fertiggemacht. Ich bin aber jemand, der recht schnell umschalten kann. Ich habe mich sieben Jahre aus der Politik zurückgezogen und dann für den Nationalrat kandidiert. Vincent: Du wurdest ohne ein einziges Inserat oder Wahlplakat gewählt.

War von 2003 bis 2015 Mitglied des Nationalrats: SVP-Politiker Pierre-François Veillon.

Vincent Veillon, wie wurden Sie politisiert?
Vincent: Ich erinnere mich als Kind, wie früh mein Vater aufstand, um nach Lausanne zu reisen. Er trug weisse Hemden, die meine Mutter für ihn bügelte. Abends sah ich ihn dann in der Tagesschau. Oder er sass neben mir und begrüsste seine Kollegen, die er am Fernsehen sah. «Salut, Max, ça va?» Ich merke heute, dass ich das ebenfalls mache.

Wollten Sie so sein wie Ihr Vater?
Vincent: Mich in der Politik zu engagieren, hat mich nie interessiert. Die Politik selber schon. Vor allem in der Schweiz. Hier kann ein Bauer Bundesrat werden.

Sie sprechen Guy Parmelin an. Er verfasste vor kurzem einen ­Mitbericht in einer Sache, bei der er Partei war. Welsche Medien sprachen dann von einem Angriff auf ihn als Romand. Ist das nicht eine paranoide Reaktion?
Pierre-François: Parmelin hat einen Fehler gemacht, das steht für mich ausser Frage. Er war eben erst gewählt worden und noch unerfahren.

Wie bitte? Um seine Befangenheit zu erkennen, braucht es keine ­Erfahrung, sondern Haltung.
Pierre-François: Ihm fehlte ein guter «Démineur», ein guter Bombenentschärfer. Dass Parmelin ein Welscher ist, damit hatte die Kritik aus der Deutschschweiz nichts zu tun.

Es gibt eine Tendenz bei der ­welschen Presse, Stimmung gegen die Deutschschweiz zu machen.
Vincent: Ich verstehe das als Reflex des Kleinen gegenüber dem Grossen. Wir sind in vielem Provinz, Zürich ist das wirtschaftliche Zentrum und Bern das politische. Pierre-François: Und wenn dann die «Weltwoche» kommt und von uns als den Griechen der Schweiz schreibt, sehen wir uns in der Herablassung durch die Deutschschweiz bestätigt.

In Ihrer Satiresendung spielt Ihr Kollege Vincent Kucholl auch Deutschschweizer Figuren, die sich in vielem gleichen.
Vincent: Stimmt, damit nähren wir ein Klischee. Es sind Unternehmer, Politiker und Armeechefs. Sie kontrollieren Macht und Geld. Sie sind autoritär, arrogant, rechthaberisch, reden ein langsames Français fédéral ...

... und es sind immer Zürcher!
Vincent: Es hat damit zu tun, dass wir die St. Galler, Berner und Basler zu wenig kennen, um sie von den Zürchern zu unterscheiden.

Dabei funktioniert die Westschweiz in vielem autoritärer, hierarchischer als die Deutschschweiz.
Pierre-François: Das erkennen Sie wohl besser als wir. Uns fehlt die Distanz.

Ich bin sehr glücklich über den Weg, den Vincent begangen hat. Das ist ja nicht zufällig passiert.Pierre-François Veillon

Wie ist Ihr Verhältnis zur ­B­ekanntheit Vincents?
Pierre-François: Ich bin nur noch der Vater von Vincent. Früher war das umgekehrt: Vincent war mein Sohn. Vincent: Haha! Pierre-François: Ich merke, dass mich das erschüttert, ich steuere auf eine Depression zu. Im Ernst: Ich bin sehr glücklich über den Weg, den Vincent begangen hat. Das ist ja nicht zufällig passiert.

Was meinen Sie?
Pierre-François: Als Bub trat er als Comédien auf, als Jugendlicher moderierte er beim Lokalradio, später bei Couleur 3. Er hat oft gezeigt, dass ihm die Sache wichtig ist. Klar bin ich stolz auf ihn. Aber es ist kein übertriebener Stolz. Ich, ich bin bloss glücklich, dass er etwas macht, das er liebt.

Woran merken Sie das?
Pierre-François: Weil er bei seiner Arbeit Spass hat. Bei Couleur 3 sang er manchmal die Verkehrsmeldungen. Er nahm eine Melodie Aznavours oder Brassens und sang dazu über den Stau. Ich arbeite mit Bauern, und viele sagten mir, dass sie am Morgen die Kühe mit der Stimme meines Sohnes melkten. Das zu hören, ist natürlich sympathisch.

Wie stehen Sie zur Bekanntheit Ihres Vaters?
Vincent: Sie ist bestimmend dafür, wie ich mit meinem Erfolg umgehe. Er war nie einer, der Journalisten nachrannte, seinen Kopf in jede Kamera streckte, jedes Mikrofon suchte. Sich zurückzunehmen, ist etwas sehr Protestantisches, Waadtländisches, Berglerisches, das habe ich sicher von meinem Vater.

In Ihrer Sendung übernehmen Sie ja auch die Rolle des seriösen ­Journalisten. Sie sind der Typ, der andere ins Licht rückt.
Vincent: Hier passt vielleicht der englische Begriff des Anchors am besten. Einer, der Leute einlädt und ihnen eine Bühne bereitet. Ich liebe diese Rolle. Auch deshalb funktioniert die Sache mit Kucholl so gut. Wir ergänzen uns.

«Er war nie einer, der Journalisten nachrannte, seinen Kopf in jede Kamera streckte, jedes Mikrofon suchte.» Vincent Veillon über seinen Vater»

Schauen Sie sich die Sendungen Ihres Sohnes an?
Pierre-François: Ich klebe nicht vor dem Fernseher und zeichne jede Sendung auf. Es ist mehr so, dass mich die Leute auf eine Sendung ansprechen und ich diese dann im Internet nachschaue. Vincent: Das ist enorm wichtig. Mein Vater sieht in mir keinen Helden. Er hat sich immer für meine Arbeit interessiert, sich aber nie eingemischt ... Pierre-François: ... ausser, als Vincent noch bei Radio Chablais arbeitete. Für seine Sendung verpflichteten wir ihn jeweils, ein Wort einzubauen.

Zum Beispiel?
Pierre-François: Irgendetwas Bizarres. Vincent: Krokodil. Pierre-François: Die ganze Familie hörte am Sonntagabend die Sendung und wartete auf das Wort. Im Moment, als er es sagte, war es schon sehr lustig. Danach haben wir das Radio abgestellt.

Haben Sie eine Figur aus der ­Sendung «26 Minutes», mit der Sie einmal essen gehen möchten?
Pierre-François: Die passen mir alle sehr gut. Man könnte mit allen lachen.

Selbst mit Gilles Surchat, dem ­jurassischen Sozialhilfebezüger? Der hat diese tiefe Traurigkeit.
Pierre-François: Der ist fundamental traurig, das stimmt. Von allen Figuren berührt er mich vielleicht am meisten. Vincent: Ob Surchat oder ein anderer: Wenn man mit einer Figur ein Gefühl erleben kann, dann ist es super.

Man hat den Eindruck, dass die Sendung die ganze Romandie ­repräsentiert. Sie machen provinzielle Leute zu Hauptdarstellern.
Pierre-François: Wenn ich meine Mutter im Pflegeheim besuche, richten die Bewohner des Heimes meinem Sohn ein Merci aus. «Wir schauen ihn jeden Samstag!» Das sind 80-, 90-Jährige. Die Breite des Publikums ist unglaublich.

Weshalb berührt diese Sendung so viele und so viele verschiedene Leute?
Pierre-François: Vielleicht tatsächlich, weil die Minoritäten sich wiederfinden. Vincent: Vielleicht auch einfach nur, weil die Sendung komisch ist, weil die Leute gerne lachen. Wir haben zudem Glück: Beim Staatssender zur Primetime und ohne nennenswerte Konkurrenz.

Wie sind die Reaktionen aus der Deutschschweiz?
Vincent: Wir haben wenig Feedback aus der Deutschschweiz, weder per Mail noch auf Facebook. Es gibt ein Sprachproblem. Die Deutschschweiz schaut Giacobbo/Müller.

Sie haben vorhin den ­Protestantismus angesprochen. Was spielt der für eine Rolle?
Vincent: In der Erziehung, in den Werten, die uns mein Vater weitergab, da war nicht so viel Protestantisches dabei. Wir gingen nicht oft in die Kirche. Wenn ich sage protestantisch-waadtländisch, dann meine ich den Charakter. Man ist vorsichtig, macht alles mit Mass, man überschreitet selten Grenzen. Pierre-François: Es ist schwierig, das zu erklären. Mein Vater unterrichtete Religion, etwas von vielem, das er machte … Vincent: … seid ihr in die Kirche gegangen? Pierre-François: Von Zeit zu Zeit. Wir haben nicht jeden Tag über Religion gesprochen.

Verwurzelt sein mit dem Terroir, ist sehr waadtländisch.
Pierre-François: Das ist nicht etwas Waadtländisches. Vincent: Verwurzelt mit seinem Land? Das sind wir doch alle!

Nein.
Vincent: Nun gut, Basel und Zürich sind auch weniger schön als das Chablais ... Pierre-François: Ich glaube nicht, dass es etwas Waadtländisches ist, mit dem Land verwurzelt zu sein. Das sind alle, wenn man die Sache genau anschaut.

Wie meinen Sie das?
Pierre-François: Mein Grossvater war Bergführer und Bergbauer, wir waren viel in den Bergen, hatten ein Chalet dort oben. Das gab ein starkes Gefühl von Verbundenheit. Wir lebten später im Haus meines Grossvaters, und auch auf die Jungen ging das über. Es gibt Werte, die mit dem Ort verbunden sind.

Wie erklären Sie sich den Rassismus der Romands gegenüber den ­französischen Grenzgängern?
Vincent: Ich glaube, das hat damit zu tun, dass diese kleine Million Romands darunter leidet, dass die Deutschschweiz stark ist, Frankreich ebenso. Es ist ein Komplex auf der kulturellen Ebene. Wir leben von der französischen Kultur in der Romandie, und das ist vielleicht eine Form von Rache.

Die Franzosen sind für die ­Romands, was die Deutschen für die Deutschschweizer sind?
Vincent: Als wir in Paris auftraten und den Franzosen die Schweiz erklärten, fanden die, wir seien nicht wahnsinnig böse gewesen. Wir dagegen waren stets am Abwägen. Geht das noch? Tatsache ist: Auch die Franzosen mögen uns. Pierre-François: Die Situation in Frankreich beschäftigt mich. Wir sind oft in Südfrankreich. Es ist aus der Nähe beängstigend, was passiert.

Marine Le Pen könnte gewählt werden. Ist es das, worauf Sie ­anspielen?
Vincent: Donald Trump auch. Pierre-François: Ich glaube nicht, zumindest nicht dieses Mal. Es gibt einen anderen Grund: Der Zirkel der französischen Politik ist inzestuös. Da ändert sich nichts, ausser, wenn einer stirbt. Das ist bei Links und Rechts genau dasselbe. Wenn man sich vorstellt, dass Sarkozy zurückkommen und Hollande bleiben will. Das geht nicht! Mag sein, dass wir manchmal ein bisschen rassistisch sind gegenüber Frankreich. Dabei lieben wir Frankreich.

Wenn man so mit Ihnen spricht: Alles klingt sehr harmonisch. Wo liegen die Differenzen zwischen Ihnen beiden?
Vincent: Haarfarbe, Augenfarbe, Alter. Pierre-François: Er wird nie Politik machen, ich nie Fernsehen. Überhaupt: Weshalb ist es so wichtig, dass es Differenzen gibt zwischen uns? Vincent: Wir sind sehr verschieden. Aber glücklicherweise vereint uns mehr, als uns trennt. Wir fahren zum Beispiel beide einen Volvo. Pierre-François: Und wir können beide Kühe melken.

Wir sind sehr verschieden. Aber glücklicherweise vereint uns mehr, als uns trennt.Vincent Veillon

Sie verkommen schon wieder in der Harmonie.
Vincent: Wir stehen beide dazu, wer wir sind und was wir denken. Wir haben früher viel diskutiert, wir diskutieren immer noch viel. Wir hatten aber nie eine komplizierte Beziehung zwischen Vater und Sohn. Wir haben das am Ende ganz erfolgreich hingekriegt. Und das werden wir für euch jetzt nicht ändern. (lacht)

Aber Sie sind doch links und er rechts?
Vincent: Ich habe eine linke Sensibilität. Kucholl und ich mögen es nicht, schubladisiert zu werden. Wir wollen mit allen böse sein. Aber sicher mit einer eher linken Sicht. Pierre-François: Was ist eine linke Sensibilität?

Eine Form von Intelligenz.
Vincent: (lacht) Genau. Pierre-François: Auch wenn ich glaube, dass wir im Moment mehr linke Probleme in der Politik haben: Ich mag dieses Schema von links und rechts nicht so sehr.

Das heisst?
Pierre-François: Zum Beispiel haben wir zu Beginn gesagt, wir befänden uns nahe an einer neuen Art von Krieg. Da muss man sich doch von den alten Strukturen lösen. Das sind grössere Probleme.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.08.2016, 07:08 Uhr

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