Denn Parmelin wusste nicht, was er tat

Das Verhalten bei Bodluv beschädigt das Vertrauen in Parmelins Fähigkeiten. Es scheint, als sei Bodluv kein Einzelfall, kein Anfängerfehler.

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Dass Guy Parmelins Einstieg im Bundesrat nicht ohne Störgeräusche ab­laufen würde, war zu erwarten. Er war Gesundheitspolitiker. Jetzt hat er die Armee. Er war selbstständiger Weinbauer. Jetzt leitet er das grösste Departement der Bundesverwaltung. Er war eine blasse Figur im Parlament. Jetzt muss er eine Herkulesaufgabe bewältigen. Er hat also eine Schonfrist verdient. Doch nach einem Jahr im Amt stellt sich die Frage, ob er diesem Job wirklich gewachsen ist.

Als Guy Parmelin im März die weit fortgeschrittene Evaluation des Raketensystems Bodluv abschoss, weckte dies bei vielen Beobachtern Hoffnung. Endlich ein VBS-Chef, der eigenständig entscheidet, der der Armeespitze nicht mehr jeden Wunsch von den Lippen abliest! Diese Vorstellung muss man nach der GPK-Untersuchung begraben. Der Bericht legt den Schluss nahe: Guy Parmelin wusste bei Bodluv nicht, was er tat. Er hatte Zweifel. Ein ungutes Gefühl. Fragen. Stand zudem wegen anderer Geschäfte unter starkem Druck. Doch statt sich zu informieren, auch bei unabhängigen Experten, zog er sich zurück. Und entschied.

Statt sich zu informieren, auch bei unabhängigen Experten, zog er sich zurück. Und entschied.

Die finanziellen Folgen bilden dabei nicht den grössten Schaden. Hätte Parmelin das Ergebnis der Bodluv-Evaluation abgewartet und anschliessend entschieden, dass die von der Armeespitze favorisierte Lösung nichts tauge, die investierten 20 Millionen Franken wären ebenfalls verloren gewesen.

Schlimmer ist: Sein tapsiges Verhalten bei Bodluv beschädigt das Vertrauen in seine Fähigkeiten. Zumal es scheint, als sei Bodluv kein Einzelfall, kein Anfängerfehler, keine stress­bedingte Kurzschlusshandlung. Die Anzeichen verdichten sich, dass Guy Parmelin auch bei der Freistellung des Oberfeldarztes Andreas Stettbacher aufgrund von zweifelhaften Informationen und aus dem Bauch heraus entschied. Das Ergebnis war die öffent­liche Vorverurteilung eines möglicherweise unfehlbaren Armeekaders.

Die Zweifel an der Urteilsfähigkeit Parmelins werfen einen dunklen Schatten auf seine nächsten grossen Projekte. Namentlich die Beschaffung eines neuen Kampfjets, die noch dieses Jahr erstmals ins Parlament kommen soll. Parmelin bleibt kaum Zeit, das verspielte Vertrauen wiederherzustellen. Er braucht eine Vorwärtsstrategie. Und zwar schnell.

Erstellt: 27.01.2017, 22:07 Uhr

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