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Denn sie wissen nicht, was sie wollen

Selbst wenn Parteien auf die drängendsten Probleme setzen, ist das keine Garantie für Resonanz. Das Stimmvolk: wankelmütig.

Politik kann manchmal ziemlich frustrierend sein. Nicht nur für uns da draussen, für Wählerinnen und Wähler, sondern auch für die auf der anderen Seite. Für die Parteipräsidenten, Nationalrätinnen, Kampagnenmanager und Spindoktorinnen. Denn es gibt die Momente, da kann man machen, was man will, und trotzdem funktioniert: nichts. Gar nichts.

Die aktuelle Wahlumfrage von Tamedia ist so ein Quell grösstmöglichen Frusts – denn eigentlich machen die Parteien doch alles richtig! SP, CVP, BDP und, mit Abstrichen, sogar die SVP streiten sich darum, wer das Thema Gesundheitskosten am besten an die Frau und den Mann bringen kann. Sie alle folgen damit dem Empfinden der Bevölkerung, sie nehmen – Achtung – die Sorgen des Volks ernst. Das Sorgenbarometer zeigt: Die Gesundheitskosten sind in der Wahrnehmung der Schweizerinnen und Schweizer das drängendste Problem.

Den Strategen bleibt wenig anderes übrig, als zu hoffen und den Frust auszuhalten. Die Wählerinnen und ­Wähler kennen das.

Und trotzdem ist die Formkurve dieser Parteien wenig erfreulich. Sie stagnieren oder bewegen sich rückwärts. Minus 1,3 Prozentpunkte für die CVP (war schon schlimmer, immerhin), minus 1,2 für die SP, minus 0,8 für die BDP, minus 0,5 für die SVP. Auch die FDP hat ihren Schwung verloren – minus 0,9. Zum zweiten Mal hinter­einander gehört sie in der Wahl­umfrage zu den Verlierern.

Zulegen können nur die Grünen und die Grünliberalen. Dabei ist das Problembewusstsein für den Klimawandel und den Umweltschutz nicht im Ansatz so gross wie jenes für die steigenden Gesundheitskosten. Was also tun im grossen Wahljahr 2019? Wie die FDP in letzter Sekunde auf das Klima umschwenken? Die steigenden Gesundheitskosten noch intensiver besetzen? Sich irgendein anderes Thema suchen? Aufgeben?

Wahrscheinlich, das zeigt die Umfrage halt auch, sind Wahlen doch nicht so berechenbar, wie alle immer meinen. Oh Stimmvolk, du wankelmütiges Wesen! Bleibt den Parteistrategen nicht viel anderes übrig, als zu hoffen (oder wahlweise zu beten) und den Frust auszuhalten. Uns Wählerinnen und Wählern geht es ja oft nicht anders.

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