Der Aufsteiger, der schrille Töne meidet

Beat Walti, Hoffnungsträger der FDP, wird neuer Fraktionschef. Wie kam der Zürcher so weit?

Als Wirtschaftsanwalt ist er von Zürcher FDP-Schwergewichten früh auserkoren worden, sie in Bern zu vertreten: Nationalrat Beat Walti tritt vor die Medien. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

Als Wirtschaftsanwalt ist er von Zürcher FDP-Schwergewichten früh auserkoren worden, sie in Bern zu vertreten: Nationalrat Beat Walti tritt vor die Medien. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

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Man trifft ihn an nobler Adresse, im Hotel Savoy am Paradeplatz. Beat Walti trägt Anzug und Krawatte – und einen Velohelm. Er, der in Zollikon wohnt, pedalt durch die Stadt, als wäre er ein Büezer.

Die Begegnung, zu der es vor einigen Jahren kam, zeigt trefflich auf, weshalb die FDP in Walti einen Hoffnungsträger sieht. Als klassischer Vertreter des Zürcher Wirtschaftsfreisinns mit solidem liberalen Kompass hat der 49-Jährige den Stallgeruch der Partei, doch abgehoben wirkt er nicht. Selbst politische Gegner attestieren ihm Sozialkompetenz und eine gewisse Bescheidenheit.

Im Umgang wirkt Walti locker. Wo andere den Ellbogen ausfahren, hält er sich zurück. Manche bezeichnen den verheirateten Vater zweier Kinder, nicht zuletzt seines Äusseren wegen, als Traumschwiegersohn, dem alles in den Schoss falle. Zumindest nach aussen lässt Walti nicht erkennen, dass er um jeden Preis aufsteigen will – was er mit dem Hinweis unterstreicht, er mache keine politische Karriereplanung.

Der vorläufige Höhepunkt seiner Laufbahn

Die Realität ist: Walti arbeitet sich geduldig empor. Seine Wahl zum Chef der FDP-Bundeshausfraktion markiert den vorläufigen Höhepunkt seiner Laufbahn. Nach dem Einstieg bei den Zürcher Jungliberalen schaffte er 1999 den Sprung in den Zürcher Kantonsrat, dem er bis 2013 angehörte. Es war die Zeit, da die SVP im Kanton Zürich ihren Siegeszug antrat und den einst so stolzen Zürcher Freisinn zu demütigen begann. Narben seien nicht zurückgeblieben, versichert Walti. Persönliche Befindlichkeiten dürften ohnehin keine Rolle spielen. Für ihn stehe bei allen Parteien die sachpolitische Zusammenarbeit im Vordergrund.

Dass er ein Brückenbauer ist, wie Parteifreunde heute sagen, hat er bereits als Präsident der Zürcher FDP bewiesen. Unter seiner Führung schaffte es die Partei, nach den Flügelkämpfen unter Vorgängerin Doris Fiala wieder geeint aufzutreten. Inwieweit es ihm gelingt, im Bundeshaus Allianzen zu schmieden, wird sich bald zeigen, etwa bei der Neuauflage der Unternehmenssteuerreform III.

«Ich fahre gut damit, keine Fragen zu beantworten, die sich nicht stellen.»Beat Walti

Im Nationalrat politisiert Walti seit dem Sommer 2014. Damals rückte er für den zurücktretenden Markus Hutter nach; bei den Wahlen 2007 und 2011 war Walti noch gescheitert. Spuren hat er in seiner Zeit in Bern bis vor kurzem kaum hinterlassen, zumindest in der Öffentlichkeit. Parteifreunde verteidigen ihn als emsigen Schaffer im Hintergrund. Kritiker entgegnen, Walti verwalte nur, er scheue sich vor Entscheidungen und exponiere sich deshalb nicht, weil er einen Sitz im Bundesrat anstrebe.

Als Wirtschaftsanwalt ist Walti von Zürcher FDP-Schwergewichten wie Ulrich Bremi früh auserkoren worden, die Zürcher FDP in Bern zu vertreten. Aus jenem Machtzirkel erging diesen Herbst bei der Nachfolge von Didier Burkhalter auch der Versuch, eine Frauenkandidatur aus der lateinischen Schweiz zu pushen – mit dem Ziel, dass bei der nächsten FDP-Vakanz im Bundesrat ein Deutschweizer Mann zum Zug kommen kann: Walti. Er selber sagt, er höre das erste Mal davon. Ob er Bundesratsambitionen hat, lässt Walti offen: «Ich bin bisher gut damit gefahren, keine Fragen zu beantworten, die sich nicht stellen.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.11.2017, 17:26 Uhr

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