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Der bessere Burkhalter

Aussenminister Cassis kann einiges anders machen als sein Vorgänger.

Wenn keiner der Bisherigen wechseln will, muss der Neue nehmen, was übrig bleibt. So werden im Bundesrat die Ministerien verteilt, und so landet Ignazio Cassis nun also mehr oder weniger zufällig im ­Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Seine schwierigste Aufgabe ist dort jene, die ihm sein Vorgänger Didier Burkhalter unvollendet übergibt: Cassis muss die Beziehungen der Schweiz zur EU ­stabilisieren und für die nächsten Jahrzehnte sichern.

Inhaltlich zeichnet sich keine Revolution ab. So wie Burkhalter glaubt auch Cassis, dass die bilateralen Verträge unverzichtbar sind. Auch er weiss, dass sie weiterentwickelt werden müssen, wenn sie in zehn oder zwanzig Jahren noch funktionieren sollen. Und wohl besser als Burkhalter erkennt Cassis, dass es ein wie auch immer geartetes Rahmenabkommen mit der EU vor dem Volk schwer haben wird. Wenn Cassis mit seiner schwierigen Mission Erfolg haben will, muss er darum einiges anders machen als sein Vorgänger.

Cassis hat im Tessin erfahren, dass Politik auch Kampf bedeuten kann.

Wichtige Voraussetzungen dafür bringt er mit. Erstens stammt Cassis aus dem Tessin, das in den letzten Jahren immer öffnungskritischer geworden ist. Darum sollte Cassis die EU-kritische Stimmung in der Deutschschweiz besser verstehen als der Romand Burkhalter. Zweitens ist Cassis der lustvollere Kommunikator. Burkhalter verhandelte im Ausland, ohne im Inland genau zu erklären, was er macht und warum. Zu Medienauftritten musste er von seinem Stab ­jeweils fast geprügelt werden. Hier muss Cassis viel ­offensiver werden. Drittens hat Cassis im Tessin erfahren, dass Politik auch Kampf bedeuten kann. Der politische Umgang ist dort wegen der Lega brutal. Das ist ein grosser Kontrast zu Neuenburg, wo Burkhalter relativ unangefochten zu Ämtern und Würden gelangte.

Mehr Verständnis für die Deutschschweizer Volksseele, bessere Kommunikation und viel mehr politischer Kampfgeist: Das sind drei Schlüsseleigenschaften, mit denen Cassis der bessere Burkhalter werden kann. Bis auf weiteres darf man jedenfalls ­optimistisch sein, dass der bundesrätliche Zufalls­generator bei der Departementsverteilung Ignazio Cassis an den richtigen Ort gespült hat.

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