Der bizarre TV-Beitrag über Salez

Die Lage in der Schweiz nach Salez ist ausser Kontrolle: Das Militär allgegenwärtig. Ein US-TV-Beitrag zeigt Apokalyptisches, eine zugeschaltete Journalistin entschuldigt sich danach.

Bei Fox News sorgt man sich um die Schweiz: Der Moderator der Sendung.


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Zuerst ein dramatischer News-Jingle und die Moderation «Wir haben einen Newsalarm». Im «Westen der Schweiz» habe sich ein Angriff ereignet. Die Rede ist natürlich von Salez. In der Ostschweiz.

Die Zugattacke sorgte für bisweilen dubiose Schlagzeilen rund um die Welt. In diesem Falle bei Fox News – dem Fernsehkanal von Tea-Party-Freunden und Republikanern ganz im Allgemeinen. Dennoch lautet der Slogan von Fox «Fair and balanced».

«Das europäische Sicherheitssystem ist ausser Kontrolle», heisst es sogleich im Experteninterview.

Die Expertin, Katie McFarland, war unter dem republikanischen Präsidenten Ronald Reagan die stellvertretende Assistentin des Verteidigungsministeriums. Und jetzt «Sicherheitsanalystin» des Senders.

Einfach böse Typen?

Ob es sich dabei um «muslimischen Terror», irgendeine Form von Reaktion oder «einfach böse Typen» handelt, sei nicht klar. Trotzdem dreht Fox die Geschichte sogleich in Richtung Terror: «Ob in Deutschland, in Frankreich, in Belgien – jetzt in der Schweiz, Schweden» (ein Schelm, wer dabei Böses denkt). Sie kritisiert, die «Fähigkeiten der Geheimdienste und Ordnungskräfte» seien jetzt «eine grosse Frage». «Wir sind jetzt am Punkt, an dem fast jeden Tag etwas geschieht.» Und der Moderator wiederholt, ja, das geschehe im Moment ja überall, auch in Spanien und Italien.

«Wenn man in Europa ein Land nennt, muss man alle nennen, weil es da keine Grenzen gibt.» McFarland bestätigt den Moderatoreninput. «Deshalb bin ich besorgt, dass wir einen richtigen Zerfall der europäischen Gesellschaft sehen werden, nicht nur der Europäischen Union.» Sowieso: «Wir könnten jetzt am Rande eines Bürgerkriegs stehen.»

Der zweite Beitrag mit dem Interview mit der Schweizer Journalistin Sarah Fluck.

In einem späteren Beitrag bestätigt auch die freie Schweizer Journalistin Sarah Fluck den vermittelten Eindruck. Die Sicherheit an Bahnhöfen und am Flughafen im Speziellen sei verschärft worden. «Man sieht Polizisten mit Gewehren, und das Militär ist überall», sagt sie im Interview.

Wie gelangte die Journalistin zu dieser Einschätzung? Im Nachhinein bereut sie gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet den Auftritt bei Fox: «Das war ohne Frage schlechter Journalismus, für den ich mich schäme. Zum Interview ist es nach einer Aneinanderreihung von unglücklichen Zufällen gekommen, nachdem ein Kollege kurzfristig hatte abspringen müssen. Die Frage nach dem Militär war nicht mit Fox News geplant und hat mich, wie man dem Audio entnehmen kann, in dem Moment sprachlich und inhaltlich überfordert. Ich bedaure zutiefst, dass durch meine Aussage die Situation vor Ort und die Schweiz ins falsche Licht gerückt wurden, und möchte mich dafür entschuldigen.»

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Der Beitrag von Fox: Angemessen oder daneben?




(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.08.2016, 11:17 Uhr

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