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Bund bringt Angestellte an die Sprachgrenze

Die Verwaltung kreiert die Datenbank «Sprachkompetenzen» – und bietet ihre 35'000 Beamten zum Selbsttest auf.

Fabian Renz, Bern
«C'est le Showbühne» pour Ueli Maurer: So reden Bundesräte aus der Deutschschweiz Französisch – und umgekehrt. Video: TA/lko

«Einsprachigkeit ist heilbar», so polemisierte einst der deutsche Soziolinguist Peter Nelde. In der Schweizer Bundesverwaltung wird Einsprachigkeit zwar nicht gerade als Krankheit gesehen – aber doch als Missstand, dem es Abhilfe zu schaffen gilt. Und der vor allem nicht in Einklang mit der Sprachenverordnung steht: Alle Angestellten, so heisst es dort, müssten über mündliche und schriftliche Kenntnisse einer zweiten Landessprache verfügen – zumindest auf dem «für die Ausübung der Funktion» erforderlichen Niveau. Für die mittleren und höheren Kader sind ausdrücklich gute Kenntnisse vorgeschrieben, und eine dritte Landessprache sollte wenn nicht aktiv gesprochen, so doch passiv verstanden werden.

Ob sie diese Anforderungen erfüllt, darüber wird die Belegschaft des Bundes in diesem Jahr erstmals umfassend Rechenschaft ablegen müssen. Zu diesem Zweck baut der Bund eigens ein neues Informatiktool auf. Es handle sich um eine bundeseigene IT-Applikation namens «Sprachkompetenzen», bestätigt Nicoletta Mariolini, die Delegierte des Bundes für Mehrsprachigkeit. Die Applikation werde demnächst etappenweise in Betrieb genommen – und bis Ende 2017 muss der gesamte Verwaltungsapparat (mit Ausnahme des Bereichs Verteidigung, der bis Mitte 2018 Zeit hat) seine Sprachkompetenzen erfasst haben.

Man muss zeigen, was man kann

Ablaufen wird das so, dass die 35'000 Bundesangestellten am Computer über einen Fragebogen ihre Kenntnisse in Deutsch, Französisch und Italienisch deklarieren müssen. Die Selbstevaluation wird gemäss Mariolini auf der Methodik des sogenannten Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens beruhen. Das Niveau A1 steht dabei für absolutes Anfängertum, das Niveau C2 bescheinigt beste Kenntnisse im schriftlichen und mündlichen Gebrauch. Erspart bleibt das Prozedere nur jenen Probanden, die Sprachzertifikate vorweisen können. Wer aufgrund seiner Funktion noch weitere Sprachen beherrschen muss, etwa Englisch, hat sich auch hier der Evaluation zu unterziehen.

Was aber geschieht, wenn der Herr oder die Frau Bundesangestellte den Anforderungen nicht genügt? So ganz klar ist das noch nicht. Die erhobenen Daten erlaubten eine «gezielte Unterstützung jener Mitarbeitenden», sagt Mariolini. Die Sprachendelegierte setzt dabei in erster Linie auf die Eigeninitiative der Vorgesetzten: Diese stünden in der Pflicht, die Sprachkenntnisse ihrer Untergebenen zu fördern, etwa mit Kursen. Über sprachliche Defizite in ihrem Team werden die Kader dank der neuen Datenbank künftig informiert sein: Das gesammelte Material wird in das Stellenbewirtschaftungssystem «BV Plus» eingespiesen, in das die Chefs für ihre jeweiligen Abteilungen Einsicht haben.

Bundesräte sind befreit

Eigentliche Sprachtests, die von Fachpersonen korrigiert werden, seien «im Moment» nicht vorgesehen, sagt Mariolini. Ohnehin erfüllt die neue Applikation nicht nur erzieherische Zwecke: Sie soll auch dazu dienen, die Vertretung der einzelnen Sprachgemeinschaften in der Bundesverwaltung genauer zu erfassen. Denn auch hierzu gibt es Zielvorgaben in der Sprachenverordnung – sie werden in der Realität mit etwa 71 Prozent Deutschsprachigen, 21 Prozent Romands und 7 Prozent aus der Italianità recht gut erfüllt. Einzig bei den Rätoromanen bekundete man zuletzt Mühe, das Mindestquorum von 0,5 Prozent zu erreichen. Zu reden gab auch schon, dass der Anteil der Deutschsprachigen mit steigender Lohnklasse und Hierarchiestufe markant zunimmt.

Wie es im Übrigen um das sprachliche Vermögen der ranghöchsten sieben Bundesangestellten steht, hierüber wird das neue Testprogramm keine Aufschlüsse erlauben. Die Mitglieder des Bundesrats sind «Magistratspersonen», die nicht der Sprachenverordnung unterstehen – und die damit neben den Lehrlingen und Praktikanten als einzige den Selbsttest nicht absolvieren müssen.

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