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Der Bundesrat bestraft mit seinen Zivildienstplänen die Falschen

Falls die Armee tatsächlich gefährdet ist, sollte er vor allem bei zwei anderen Bevölkerungsgruppen ansetzen.

Für den Bundesrat ist die Attraktivität des Zivildiensts schuld am sinkenden Armeebestand: Ein Zivildienstleistender im Pflegezentrum Schlössli in Biel. (9. Dezember 2016)
Für den Bundesrat ist die Attraktivität des Zivildiensts schuld am sinkenden Armeebestand: Ein Zivildienstleistender im Pflegezentrum Schlössli in Biel. (9. Dezember 2016)
Christian Beutler, Keystone

Wenn die Armee ihren gesetz­lichen Sollbestand von 100'000 Mann nicht mehr alimentieren kann, muss der Bundesrat etwas unternehmen. Nicht nachvollziehbar ist aber, dass er dafür einseitig den Zivildienst ins Visier nimmt.

So wie Soldaten opfern auch Zivis viel Lebenszeit für einen Dienst an der Allgemeinheit. Ein 19-Jähriger, der in Altersheimen Nachttöpfe leert, verdient mindestens so viel Respekt wie jemand, der in der Rekrutenschule auf Staatskosten sein Lastwagenbillett machen darf.

Schlaumeier sollen gestoppt werden

Gewiss gibt es auch Zivi-Jobs, die angenehmer sind als eine RS. Wenn die Politik für die Zivis die Zulassungshürden moderat erhöht, ist das darum vertretbar. Richtig ist auch, wenn jene Schlaumeier gestoppt werden, die nach dem letzten WK in den Zivildienst wechseln, um der Schiesspflicht zu entgehen – ohne je einen Tag Zivildienst zu leisten.

Doch die Massnahmen, die der Bundesrat vorschlägt, gehen viel zu weit. Und sie sind ungerecht, weil zwei andere Be­völkerungsgruppen ganz verschont werden: die Untauglichen und die Frauen. Falls die Armee tatsächlich gefährdet ist, soll die Politik dafür sorgen, dass mehr Frauen ins Militär gehen und weniger Männer in die Untauglichkeit ab­schleichen. Dass in gewissen Kantonen über 40 Prozent der Männer für untauglich erklärt werden, ist ein Skandal.

Dass der Bundesrat statt aus­gewogener Massnahmen bloss den Zivildienst madig machen will, wird kontraproduktiv sein. Viele Zivis werden nicht in die Armee zurückkehren, sondern den blauen Weg wählen – und sich ganz um einen Dienst an der Allgemeinheit drücken.

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