Der Fehler liegt im System

Nulltoleranz-Politik bei sexueller Belästigung ist bei vielen Firmen bloss ein Lippenbekenntnis.

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Von Gesetzes wegen sind Arbeitgeber verpflichtet, ihre Mitarbeiter vor sexueller Belästigung zu schützen. Es gibt denn auch kaum eine Firma, die sich nicht damit brüstet, solches Verhalten unter keinen Umständen zu dulden und sofort Massnahmen zu ergreifen. Doch Nulltoleranz zu propagieren, ist etwas anderes, als sie im Ernstfall durchzuziehen.

Dies zeigt sich am Belästigungsfall bei Ernst & Young (EY), den diese Zeitung gestern behandelte: Im Jahr 2016 hatte eine Mitarbeiterin sich gegen die Zudringlichkeiten eines Vorgesetzten gewehrt und wurde daraufhin gemobbt. Am Ende verliess sie das Unternehmen, der Vorgesetzte erhielt einen Verweis. Wenige Wochen später wurde er trotzdem befördert.

Es kommt zum Interessenkonflikt

EY gibt vor, bei sexueller Belästigung eine «Nulltoleranz-Politik» zu pflegen. Doch die Affäre zeigt, wie schnell eine solche Vorgabe zum Lippenbekenntnis verkommt. Entscheidend ist nicht, was auf dem Papier steht, sondern wie sich die Führung verhält. Im Fall EY leitete diese zwar Massnahmen ein, schützte und beförderte aber letztlich den Täter.

Der Fehler liegt im System. Unternehmensintern sind für Beschwerden über Belästigung und Mobbing die Human-Resources-(HR)-Stellen zuständig. Doch der Zweck solcher Abteilungen besteht in erster Linie darin, die Firma zu unterstützen. Damit steht sie der Führung grundsätzlich näher als dem Personal. Wird nun ein Vorgesetzter beschuldigt, der sonst tadellos arbeitet und ein guter Performer ist, kommt es zum Interessenkonflikt.

So war es auch bei der EY-Affäre: Der neu eingesetzte HR-Chef hätte als erste Amtshandlung gegen seinen Vorgesetzten ermitteln müssen, den Mann, der ihn auf diese Position befördert hatte. So gab es zwar eine Untersuchung, doch im Ergebnis folgte sie in allen Punkten der Argumentation des Beschuldigten. Mit dem Resultat, dass die Affäre bis heute für Unruhe sorgt. Nulltoleranz ist gut. Besser ist der Mut, sie im Ernstfall auch durchzuziehen.

Erstellt: 12.12.2018, 18:50 Uhr

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