Zum Hauptinhalt springen

Der Gehrig-Bericht reicht nicht aus

Der Abschluss-Report des Raiffeisen-Sonderermittlers ist zu wenig detailliert und lässt zu viele Fragen offen.

MeinungHolger Alich

Der Aufwand war enorm: Allein die gedruckten Unterlagen, die Raiffeisen-Sonderermittler Bruno Gehrig und sein Team sichteten, füllten 100 Bundesordner. 12 Millionen E-Mails wurden analysiert, 50 Interviews mit 38 Mitarbeitern geführt.

Das Ziel: die über 100 Zukäufe, dieder ehemalige Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz in seiner Zeit an der Bankspitze tätigte, auf weitere Unregelmässigkeiten zu durchleuchten. Als Gehrig im vergangenen April seine Arbeit aufnahm, versprach er eine «schonungslose» Aufarbeitung der Ära Vincenz. Diesem Anspruch wird sein 28-seitiges Abschlusspapier nicht gerecht. Denn im Bericht fehlen zu viele Details.

Das Papier enthält zwar einige Fall­beispiele, wie Raiffeisen zweifelhafte Zukäufe tätigte und zum Beispiel die Preisvorstellungen eines Verkäufers einfach akzeptierte. Doch all diese Fälle werden nur anonymisiert und verkürzt dargestellt. Ferner fehlt die klare Benennung, wer für welchen Fehler eigentlich verantwortlich ist.

Raiffeisen-Präsident Guy Lachappelle begründet diese Anonymisierungen mit dem Persönlichkeitsschutz der Betroffenen. Doch auch ohne Nennung der Namen wäre es möglich gewesen, zumindest die grossen Zukäufe wie Notenstein oder Leonteq chronologisch nachzuerzählen: Wann traf welches Organ welche Entscheidung? Wir erfahren es nicht.

Dass Raiffeisen ein grosses Problem mit internen Kontrollen und der Unternehmensführung, also der Corporate Governance, hatte, das wissen wir bereits durch die Veröffentlichungen der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma. Der Gehrig-Bericht wäre die Chance gewesen, Genaueres über die Abläufe der Geschehnisse zu erfahren. Diese Chance bleibt ungenutzt.

300 Millionen Franken hat die Raiffeisen-Gruppe nun auf die misslungenen Zukäufe abgeschrieben. Und auch hier erfährt die Öffentlichkeit nichts darüber, welcher Deal wie viel Verlust eingebracht hat. Wer Transparenz verspricht, muss auch Details liefern.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch