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Der Gordon Gekko der Wandelhalle nimmt Anlauf

2009 unterlag er gegen Didier Burkhalter. Nun prüft FDP-Mann Christian Lüscher eine erneute Bundesratskandidatur. Er hat sich in Bern viele Feinde gemacht.

Glaubt an seine Glaubwürdigkeit: FDP-Vizepräsident und Genfer Anwalt Christian Lüscher.
Glaubt an seine Glaubwürdigkeit: FDP-Vizepräsident und Genfer Anwalt Christian Lüscher.
Anthony Anex, Keystone

Freundliches Lächeln. Eiskalter Blick. Die Haare nach hinten gekämmt. FDP-Nationalrat Christian Lüscher ist gewissermassen der Gordon Gekko der Wandelhalle.

Und wie der von Michael Douglas verkörperte Finanzmogul aus den Wallstreet-Filmen legt auch Lüscher Wert darauf, dass seine Mitwelt über seinen finanziellen Erfolg Bescheid weiss. Während viele Bundespolitiker bei ihrer Kleidung auf Stangenware setzen, um ihre Bodenständigkeit zum Ausdruck zu bringen, erscheint Christian Lüscher in Bern stets in feinstes Tuch gehüllt.

Was er für seine Garderobe ausgebe, wurde der Genfer FDP-Nationalrat einmal gefragt. «Bei Anzügen ist man rasch bei 1500, 2000 Franken. So sind nun mal die Preise», antwortete Lüscher.

Die Sache mit der Glaubwürdigkeit

Nun bringt sich der 53-jährige Anwalt und Vizepräsident der FDP Schweiz ins Gespräch für die Nachfolge von Didier Burkhalter. Er prüfe eine Kandidatur ernsthaft, sagte Lüscher am Mittwoch im Westschweizer Fernsehen RTS.

Dass es ihm an Selbstvertrauen nicht mangelt, ist spätestens seit 2009 aktenkundig. Mit nur gerade zwei Jahren Erfahrung auf dem nationalen Parkett bewarb sich Lüscher damals für die Nachfolge von Bundesrat Pascal Couchepin. Erst im dritten Wahlgang zog sich der von der SVP unterstützte Bundeshaus-Frischling zurück und überliess Didier Burkhalter das Feld.

Nun liebäugelt Lüscher, dem von links und rechts rhetorische Brillanz und strategisches Geschick attestiert werden, also erneut mit einer Bundesratskandidatur. Er ist überzeugt, dass die Chancen besser stehen als damals. «Meine Glaubwürdigkeit ist heute sehr viel grösser.»

Lüschers merkwürdige Mandanten

Hier allerdings könnte er sich täuschen. Für viele Bundespolitiker gehen die Ähnlichkeiten Lüschers mit Finanzmogul Gordon Gekko über das Erscheinungsbild hinaus. Der Vorwurf: Lüscher hat Interessenkonflikte zwischen Beruf und Politik nicht immer mit der angezeigten Zurückhaltung behandelt.

Als die Aussenpolitische Kommission 2014 über die Rückgabe von Potentatengeldern diskutierte, deklarierte Lüscher gegenüber den Kommissionsmitgliedern zwar, dass er Klienten vertrete, die von diesem Gesetz betroffen sind. In den Ausstand aber trat er nicht.

Ein Jahr später deckte der «Tages-Anzeiger» auf, dass Lüscher für Abba Abacha, den Sohn des verstorbenen nigerianischen Potentaten Sani Abacha, einen Deal eingefädelt hatte. Die Regierung Nigerias erhielt 1,1 Milliarden Dollar aus dem von der Schweiz eingefrorenen Vermögen des Abacha-Clans. Im Gegenzug mussten Nigeria und die Genfer Staatsanwaltschaft alle Verfahren gegen Lüschers Mandanten fallen lassen.

Auch in der Kasachstan-Affäre blitzte Lüschers Name auf. Er arbeitete als Anwalt für Wiktor Chrapunow, den unter fragwürdigen Umständen reich gewordenen Ex-Bürgermeister Almatys, der 2008 nach Genf geflohen war. Als Christa Markwalder einen Vorstoss zum Verfahren gegen Chrapunow mitunterzeichnete, wurde sie von Lüscher prompt zur Rede gestellt.

Von solchen Rencontres können auch andere Politiker berichten. Angesprochen auf Lüscher, sagte am Donnerstag eine Person, sie wolle nicht zitiert werden. Lüscher klage gerne, wenn sich jemand kritisch über ihn äussere. «Aber gerade deshalb sind seine Chancen gering.» Lüscher habe schon zu viele Feinde in der Bundesversammlung.

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