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Der grüne Favorit sagt Nein

Bernhard Pulver gilt als einer der aussichtsreichsten Bundesratskandidaten. Doch nach seinem Rückzug aus der Politik 2018 will er zuerst «wieder seine Batterien aufladen».

Parteiübergreifend anerkannt: Bernhard Pulver. Foto: Thomas Delley (Keystone)
Parteiübergreifend anerkannt: Bernhard Pulver. Foto: Thomas Delley (Keystone)

Er war Berner Bildungsdirektor und hat sich in dieser Funktion parteiübergreifend Anerkennung erworben. Und er steht innerhalb der Grünen Partei nicht allzu weit links. Bernhard Pulver galt daher als derjenige Grüne, dem bei einer Bundesratskandidatur am ehesten Chancen eingeräumt wurden. Einflussreiche Kräfte vor allem aus der CVP liessen zuletzt durchblicken: Würden die Grünen, die grossen Wahlsieger des 20. Oktober, mit Pulver antreten, könnte man ihnen einen Sitz im Bundesrat schwerlich verweigern.

Doch dieses Szenario dürfte ausbleiben. Pulver wird eine allfällige Anfrage für eine Bundesratskandidatur «mit grösster Wahrscheinlichkeit» abschlägig beantworten, wie er in der «NZZ am Sonntag» erklärte. Er lässt zwar offen, ob er zu einem späteren Zeitpunkt wieder ­Interesse zeigen könnte. Nach seinem Rücktritt aus der Berner Regierung im Mai 2018 müsse er jetzt aber zuerst seine «Batterien wieder aufladen». Derzeit hat der 54-Jährige kein politisches Amt inne; stattdessen steht er der Insel-Gruppe vor, die das Inselspital in der Stadt Bern führt.

Auswahl ist begrenzt

Für die Grünen ist Pulvers ­Absage insofern eine schlechte ­Nachricht, als sie ansonsten über keine üppige Auswahl verfügen. Üblicherweise wird von einem Bundesratskandidaten Erfahrung in der Exekutive eines Kantons oder einer bedeutenden Gemeinde erwartet. Dort sind die Grünen eher schwach vertreten.

Parteipräsidentin Regula Rytz sass zwar früher in der Berner Stadtregierung. Doch gilt sie vielen Bürgerlichen als zu links. Zudem scheint auch sie eher wenig gewillt, das Abenteuer einer Kandidatur auf sich zu nehmen. Sie schliesst eine solche für den Fall, dass ihr am 17. November der Einzug in den Ständerat gelingt, sogar explizit aus, wie sie dem «Bund» sagte. Andere Papabili – ­Susanne Hochuli aus dem Aargau, Alec von Graffenried aus Bern – wollen ebenfalls nicht.

«Die nationale Politik interessiert mich natürlich ­immer noch sehr.»

Franziska Teuscher, Gemeinderätin Stadt Bern

Eine denkbare Kandidatin, die noch nicht abgesagt hat, ist die Bernerin Franziska Teuscher. Vom Profil her würde vieles passen: Teuscher war 17 Jahre Nationalrätin, seit 2013 sitzt sie als Rytz’ Nachfolgerin in der Berner Stadtregierung. Sie würde das Bedürfnis nach einer weiblichen Be­werbung erfüllen, und mit ihren 61 Jahren brauchte sie nicht mehr zu fürchten, durch eine Niederlage politisch «verbrannt» zu werden. «Die nationale Politik interessiert mich natürlich ­immer noch sehr», teilt Teuscher auf ­Anfrage mit. Es würde ihr aber «schwerfallen, nicht mehr zusammen mit der Bevölkerung die Stadt Bern zu gestalten».

Sollte sich am Ende auch Teuscher gegen eine Kandidatur entscheiden, bleibt es womöglich bei einem einzigen ernsthaften Interessenten: dem Genfer Staatsrat Antonio Hodgers, der seine Ambitionen bereits offen deklariert hat.

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