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Der Islamrat ist keine Lachtruppe

Mit seiner Rhetorik bereitet der Islamische Zentralrat den Nährboden für die Ideologie des Jihadismus.

Seit seiner Gründung Ende 2009 macht der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) vor allem durch Provokationen auf sich aufmerksam. Seien es «Guerilla­aktionen» wie kürzlich das lautstarke Abspielen des arabischen Gebetsrufs in der Zürcher Bahnhofstrasse oder Nora Illis läppische Aktion gegen das österreichische Verhüllungsverbot: Der Islamrat katapultiert sich durch seine PR-Aktionen in die Medien. Immerhin hat es Nora Illi, die Frauenbeauftragte des IZRS, damit zu einer der bekanntesten Musliminnen im deutschsprachigen Raum gebracht.

Ohne die Medien, die der IZRS ständig der Islamophobie bezichtigt, würde das Hauptorgan der schweizerischen Salafisten ein Dasein als Mauerblümchen fristen. Sollte man also gar nicht mehr über Leute wie Nicolas Blancho und Nora Illi berichten? Das wäre falsch, denn mit ihrer Rhetorik bereiten die Bümplizer Salafisten den Nährboden für die Ideologie des Jihadismus. Nicht nur in arabischen Medien lassen Blancho und seine Gefährten keine Gelegenheit aus, ihr Heimatland schlechtzureden und der Islamophobie zu bezichtigen.

Sie bewirtschaften zudem die vor allem in der arabischen Welt verbreitete Auffassung, Muslime seien immer Opfer und müssten sich entschieden zur Wehr setzen. Der eine oder andere mag das als Anstachelung zur Gewalt missverstehen. Blancho rief die hiesigen Muslime auch schon zum «Jihad des Wortes und des Besitzes» auf. Vor dem Hintergrund der Nähe zu mutmasslichen Terroristen und Jihadisten ist es nicht erstaunlich, wenn der Nachrichtendienst des Bundes im IZRS eine «nicht zu unterschätzende Gefahr für die innere und äussere Sicherheit der Schweiz» sieht.

Der Islamrat ist – trotz komischer Elemente ­– keine Lachtruppe, sondern sollte ernst genommen werden. Die früher in solchen Angelegenheiten ziemlich naiven Behörden sind längst hellhörig geworden und gehen Indizien nach. Eine erste Zäsur stellt der hoffentlich bald startende Prozess des Bundesstrafgerichts gegen drei IZRS-Vorstandsmitglieder dar. Eine Verurteilung wegen Terrorismusunterstützung ist aber alles andere als sicher. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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