Der IZRS präsentiert sich als politisches Opfer

Nach den Vorwürfen wegen Terrorpropaganda weist der Islamische Zentralrat jede Schuld von sich. Doch das Gebaren des Vereins wirft einige Fragen auf.

Filmemacher und IZRS-Vorstandsmitglied Naim Cherni. Foto: Keystone

Filmemacher und IZRS-Vorstandsmitglied Naim Cherni. Foto: Keystone

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Die Männer stehen am Eingang eines Konferenzraumes im Berner Hotel Schweizerhof und warten mit gefalteten Händen. Ernste Blicke, breite Schultern, schwarze Kleidung. Jeder trägt das goldene Logo des Islamischen Zentralrates Schweiz (IZRS) auf der Brust: ein Doppelmond, der Aktivität und Dynamik symbolisieren soll. Der IZRS hat zur Medienkonferenz geladen. Er will Stellung nehmen zu den Vorwürfen gegen eines ihrer Vorstandsmitglieder, Naim Cherni. Gegen ihn hat die Bundesanwaltschaft ein Verfahren eröffnet, weil er terroristische Propagandafilme erstellt und verbreitet haben soll. Die Journalisten müssen ihre Taschen durchsuchen lassen. Der Metalldetektor liegt griffbereit, Sicherheitsleute verteilen sich im Raum. Präsident Nicolas Blancho spricht ein arabisches Gebet, bevor er seinen Vortrag beginnt.

Auch Naim Cherni ist da, um sich zu wehren. Er sagt: «Ich bin mir absolut keiner Schuld bewusst.» Das Vorgehen der Bundesanwaltschaft sei vielmehr politisch motiviert, die Argumente seien haltlos. Die Bundesanwaltschaft schweigt sich dazu aus; sie will «zum gegebenen Zeitpunkt weiter über das hängige Strafverfahren informieren», wie Sprecher André Marty mitteilt.

Doch wer ist der IZRS, der in den Fokus der Bundesanwaltschaft geraten ist? Vor fünf Jahren hat er seine Zelte in Biel abgebrochen und in Bern aufgebaut. Doch nach einer Adresse sucht man auf der IZRS-Website vergebens. «Aus Sicherheitsgründen», sagt Geschäftsführerin Ferah Ulucay. In Bümpliz in der Nähe der Ikre-Moschee, wo sich die Büros des IZRS befinden, kennt man den umstrittenen Verein denn auch eher aus den Medien als vom direkten Kontakt. «Wir wissen, dass der IZRS hier ist», sagt die reformierte Pfarrerin Adelheid Heeb. Bis jetzt habe die Kirchgemeinde Bümpliz aber keinen Kontakt mit dem IZRS gehabt. Das Verfahren der Staatsanwaltschaft gegen Naim Cherni nehme sie zur Kenntnis. «Verteufeln hilft nichts», sagt sie. Es sei Aufgabe der Kirche, zusammen mit den muslimischen Mitbürgern zu schauen, wie beide Seiten aus der Polarisierung von Gut und Böse herauskämen. Darum finde sie es auch richtig, dass die Bundesstaatsanwaltschaft genau hinschaue.

Verbindungen zu Katar

In der Moschee der islamischen Gemeinschaft Ikre kennt man den IZRS zwar, hat aber keinen Kontakt zu ihm. Die Leute vom IZRS seien vor einem halben Jahr ein paar Mal zum Gebet gekommen. Die Moschee sei offen für alle. «Der IZRS ist bekannt für Provokationen», sagt der fortschrittliche Imam Mustafa Memeti. Dahinter stünden regressive Kräfte, die mit den andern Muslimen in der Schweiz keinen Dialog führten.

So unscheinbar sich der IZRS in Berns Westen verhält, so provokant sind die Auftritte und Aktionen seiner Exponenten in der Öffentlichkeit. Und immer wieder werden dem Verein Verbindungen zu terroristischen Organisationen nachgesagt. Saïda Keller-Messahli vom Forum für einen fortschrittlichen Islam, eine dezidierte Kritikerin des IZRS, ist überzeugt, dass der Verein einen gewichtigen Teil seiner Gelder von Katars Herrscherfamilie erhält. Nachforschungen zeigen: IZRS-Präsident Blancho ist auch Vizepräsident des Vereins Qoranona. Dem Verein steht Abdulaziz Al Thani vor, Mitglied der katarischen Herrscherfamilie. Mehrmals lud der IZRS auch Hassprediger ein, deren Auftritte von den Behörden vereitelt wurden, weil man die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Gefahr sah.

«Der IZRS lebt von solchen Provokationen», sagt Keller-Messahli. Der Sinn des Vereins sei, dass er immer in den Schlagzeilen bleibe. Doch die Leute hätten gemerkt, dass der IZRS radikal sei und eine Gefahr darstellen könnte .

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.12.2015, 22:42 Uhr

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