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Der Kampf um sechs Wochen Ferien beginnt

Vier Wochen Ferien hält der Gewerkschaftsdachverband Travailsuisse für ungenügend. Er hat die Abstimmungskampagne zu seiner Initiative «6 Wochen Ferien für alle» lanciert. Noch sieht es für das Anliegen gut aus.

Erholung vom Stress am Arbeitsplatz: Zwei Frauen im Pool am City Beach auf dem Dach des Messe-Parkhauses in Basel. (7. August 2009)
Erholung vom Stress am Arbeitsplatz: Zwei Frauen im Pool am City Beach auf dem Dach des Messe-Parkhauses in Basel. (7. August 2009)
Keystone

Die Gegner der Initiative «6 Wochen Ferien für alle» befürchten bei einer Annahme eine Schwächung der KMU und eine Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Das Volksbegehren führe zudem nicht zu einer Abnahme, sondern vielmehr zu einer Zunahme der Arbeitslast für die Arbeitnehmenden.

Dem überparteilichen Komitee «Ferieninitiative Nein» genügt der heute gültige gesetzliche Anspruch auf vier Wochen Ferien (fünf Wochen für Lehrlinge). Umso mehr, als dass die Unternehmen den Arbeitnehmenden zusätzliche Ferien gewähren würden und die durchschnittliche Feriendauer 4,8 Wochen beziehungsweise 5,4 Wochen für über 50-Jährige betrage.

Ferieninitiative erschwere den Dialog

«Diese flexiblen Lösungen im Rahmen der Sozialpartnerschaft haben sich bewährt», sagte Ständerat und Komiteemitglied Jean-René Fournier (CVP/VS) in Bern bei der Lancierung des Abstimmungskampfes. Die Ferieninitiative erschwere den Dialog zwischen den Sozialpartnern und verringere die Flexibilität im Arbeitsmarkt.

Die Initiative kommt aus Sicht des gegnerischen Lagers zudem zu einem falschen Zeitpunkt. Das schwierige wirtschaftliche Umfeld bereite den Unternehmen genug Probleme, eine zusätzliche Kostenerhöhung liege nicht drin.

Das überparteiliche Komitee setzt sich zusammen aus Vertretern aller bürgerlichen Parteien. Auch der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse, der Arbeitgeberverband sowie der Gewerbeverband sprechen sich gegen eine Erhöhung des gesetzlichen Ferienanspruches aus. Die Stimmbürger befinden am 11. März über die Vorlage.

Wirtschaftsstandort gefährdet

Die Gegner treibt die Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit von Schweizer Unternehmen um - insbesondere der KMU. «Je kleiner die Belegschaft, desto stärker fallen die Absenzen ins Gewicht», sagte der Aargauer FDP-Nationalrat und Unternehmer Philipp Müller vor den Medien. Die kleinen Unternehmen könnten keine Kontinuität mehr garantieren, was zum Verlust von Aufträgen führe.

Auch Nationalrätin Natalie Rickli (SVP/ZH) rechnet bei einer Annahme mit negativen Folgen für den Wirtschaftsstandort Schweiz. Durch die zusätzlichen Ferien fielen zusätzliche Kosten an. Diese würden kompensiert, indem auf das billigere Ausland ausgewichen werde. «Ein Teufelskreis, der letztlich zu einem Abbau von Arbeitsplätzen führen würde», sagte Rickli.

Für die Gegner verfehlt die Initiative zudem ihre Absicht und führt zu mehr Stress statt zusätzlicher Erholung für die Arbeitnehmenden. Es falle nämlich mehr Arbeit neben den Ferien an. Ausserdem weise die Schweiz nicht wie von den Initianten behauptet ein Feriendefizit auf. Der gesetzliche Ferienanspruch entspreche vielmehr jenem in Deutschland und Italien.

Bundesrat und Parlament dagegen

Das nationale Pro-Komitee lancierte seinen Abstimmungskampf ebenfalls am Freitag. Hinter der Initiative «6 Wochen Ferien für alle» steht der Gewerkschaftsdachverband Travailsuisse. Bundesrat und Parlament empfehlen, das Volksbegehren abzulehnen.

Das Zürcher Stimmvolk hat einer ähnlich gelagerten Initiative im vergangenen November eine deutliche Abfuhr erteilt. Das Volksbegehren «Für faire Ferien» hatte zum Ziel, den Angestellten des Kantons eine fünfte Ferienwoche zu garantieren.

SDA/bru

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