Der Kassen-«Telefonitis» geht es an den Kragen

Unerwünschte Anrufe von Krankenkassenmaklern sollen der Vergangenheit angehören. Die Kammern in Bern stimmen diesem Vorhaben zu.

Lästige Telefonate mit Krankenkassenmaklern: Damit soll bald Schluss sein. (Symbolbild)

Lästige Telefonate mit Krankenkassenmaklern: Damit soll bald Schluss sein. (Symbolbild) Bild: Gaetan Bally/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Parlament will Anrufe zur Gewinnung von neuen Krankenkassen-Kunden verbieten und die Vermittlerprovisionen begrenzen. Der Nationalrat hat am Donnerstag eine Motion aus dem Ständerat angenommen.

Die Selbstregulierung habe nicht funktioniert, sagte SP-Nationalrätin Bea Heim (SP/SO) im Namen der Gesundheitskommission. «Die Telefonitis ging weiter, und die Provisionen erreichten unverhältnismässig hohe Summen.» Berappen müssten dies die Versicherten. Nun brauche es verbindliche Einschränkungen.

Der Bundesrat soll künftig Branchenlösungen für allgemeinverbindlich erklären können. Die telefonische Kaltaquise – die erstmalige Kontaktaufnahme zu einem möglichen Neukunden – soll für Grund- und Zusatzversicherung verboten werden. Zudem sollen Berater ein Beratungsprotokoll erstellen müssen, das Kunde und Berater unterzeichnen. Auch die Ausbildung soll geregelt werden.

Provisionen begrenzen

Die Provisionen sollen ebenfalls mit einer allgemeinverbindlichen Branchenlösung begrenzt werden. In der ursprünglichen Formulierung hätte das nur die obligatorische Grundversicherung betroffen. Der Nationalrat will aber, dass die Provisionen auch bei den Zusatzversicherungen gedeckelt werden.

Mit 103 zu 78 Stimmen bei einer Enthaltung beschloss er, den Motionstext zu ergänzen. Anschliessend stimmte er dem Vorstoss mit 152 zu 30 Stimmen bei 4 Enthaltungen zu. Die Ablehnung beantragt hatte SVP-Nationalrat Thomas Aeschi (ZG). Über den erweiterten Text muss noch der Ständerat befinden.

Hohe Provisionen

Im Nationalrat zeigten sich die Befürworter der Erweiterung überzeugt, dass nur mit dem Einschluss der Zusatzversicherung übermässige Provisionen wirkungsvoll unterbunden werden könnten. Die Provisionen seien in diesem Bereich um ein Vielfaches höher. Zudem liessen sich Grund- und Zusatzversicherung in der Realität kaum trennen.

Die Gegner machten wettbewerbsrechtliche Bedenken geltend. Die Zusatzversicherer bewegten sich in einem wettbewerblichen Umfeld, wo Gewinne erlaubt seien, argumentierten sie. Eingriffe seien hier nicht angebracht. Darüber hinaus verzögere die Ergänzung die Regulierung.

Der Bundesrat wollte das Problem bereits 2012 mit dem neuen Krankenkassen-Aufsichtsgesetz regeln. Das Parlament lehnte das aber mit Verweis auf die Selbstregulierung der Branche ab. Seither sorgen die Anrufe und die Vermittlerprovisionen immer wieder für Schlagzeilen. Auch Gesundheitsminister Alain Berset stellte fest, die Selbstregulierung der Branche habe nicht zu überzeugenden Resultaten geführt. (fal/sda)

Erstellt: 14.03.2019, 12:35 Uhr

Artikel zum Thema

Krankenkassen verzichten auf lästige Werbeanrufe

Schluss mit hohen Provisionen: Das Anwerben von Neukunden soll stark eingeschränkt werden. Den Kassen drohen bald Bussen bis zu 500'000 Franken. Mehr...

Ein Viertel der Bevölkerung erhält Prämienverbilligung

Rund 2,2 Millionen Schweizer haben 2017 bei den Krankenkassen eine individuelle Vergünstigung bezogen. Bund und Kantone kostete dies 4,5 Milliarden Franken. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Vergleichsdienst

Mit unserem Vergleichsdienst finden Sie die geeignete Krankenkasse.
Jetzt vergleichen.

Kommentare

Paid Post

Leisten Sie sich den schönsten Ort der Welt

Der Erwerb und die Finanzierung von Wohneigentum sollen gut überlegt sein. Darum unterstützt die Migros Bank Sie dabei.

Die Welt in Bildern

Es sammelt sich nur der Staub in ihnen: Frauen zerschmettern in Indien Töpfe aus Ton, um gegen den Mangel an Trinkwasser zu protestieren. (16. Mai 2019)
(Bild: Amit Dave) Mehr...