Der Kontrahent

Kann ein Mann FDP-Bundesrat werden? Am ehesten Ständerat Martin Schmid. Er ist einflussreich, gewieft und unauffällig. 

Er sucht das Rampenlicht nicht: Martin Schmid. Foto: Keystone

Er sucht das Rampenlicht nicht: Martin Schmid. Foto: Keystone

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Der Bündner Ständerat Martin Schmid hat dasselbe Problem, das letztes Jahr der Genfer Regierungsrat Pierre Maudet hatte. Nicht, dass er sich luxuriöse Reisen bezahlen liess, nein. Aber Schmid ist keine Frau. Wäre Maudet eine Frau, hätte er in der Bundesratswahl gegen Ignazio Cassis gute Chancen gehabt. Wäre Schmid eine Frau, hätte er gegen Karin Keller-Sutter gute Chancen.

Der Bündner bringt alles mit, um Bundesrat zu werden. Der Dr. iur. HSG und Rechtsanwalt hat mit 49 Jahren eine Karriere hingelegt, die anderen in einem ganzen Leben nicht gelingt: mit 25 Kantonsparlamentarier, mit 33 Regierungsrat, mit 42 Ständerat. In Bern verschaffte er sich rasch über die Partei hinaus Respekt, wobei er aber nicht zu jenen gehört, die das Rampenlicht suchen. In Bern gilt er vielen längst als einer der einflussreichsten Parlamentarier, während er ausserhalb des Politbetriebs wenig bekannt ist. Im Unterschied zu Keller-Sutter gibt es von ihm auch keine Homestory der «Schweizer Illustrierten».

Unterstützung der SVP

Schmid schliesst eine Bundesratskandidatur nicht aus, obwohl er drei Kinder zwischen 3 und 8 Jahren hat. Im Vergleich zu Keller-Sutter dürfte er auf grössere Unterstützung aus der SVP hoffen. Schmid politisiert am rechten Rand der FDP: konsequent wirtschaftsfreundlich, mit einem offenen Ohr für die Randregionen. Unter anderem ist SVP-Nationalrat Heinz Brand des Lobes voll für Schmid: Er hoffe sehr, dass dieser antrete. Schmid sei innovativ, zielstrebig, entscheidungsfreudig. Brand muss es wissen: Als er das Bündner Migrationsamt leitete, war Schmid zeitweilig sein Chef. Er passt ihm auch politisch. «Schmid ist bürgerlicher als Keller-Sutter», findet Brand.

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Auf Skepsis stösst Martin Schmid hingegen vor allem links wegen seiner vielen Mandate in der Bauwirtschaft sowie den traditionell staatsnahen Bereichen Energie und Gesundheit. Die Liste seiner Ämter umfasst Economiesuisse, Swiss Life, den Energiekonzern Repower, das Beton-und-Kies-Unternehmen Calanda Gruppe, den Expertenverband der Wirtschaftsprüfer, das Bündner Kantonsspital und andere mehr. Passend dazu engagiert sich Schmid in Bern intensiv in der Energiepolitik und der Raumplanung, speziell etwa bei der sanften Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative.

Darauf angesprochen, sagte er «Le Temps», Politiker seien nie unabhängig. Jeder vertrete Interessen.

Erstellt: 27.09.2018, 07:05 Uhr

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