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Der letzte Captain

Vor zehn Jahren konnte Swissair-Chef Mario Corti nicht verhindern, dass die nationale Fluggesellschaft am Boden blieb. Jetzt redet er über die Tage, die nicht nur sein Leben veränderten. Zum letzten Mal öffentlich.

Zürich-Kloten am 3. Oktober 2001: Die Flugzeuge der Swissair sind seit dem Vortag auf dem Boden. Foto: Reto Oeschger
Zürich-Kloten am 3. Oktober 2001: Die Flugzeuge der Swissair sind seit dem Vortag auf dem Boden. Foto: Reto Oeschger

Vielleicht erklärt dies die ganze Geschichte: Die Schweiz ist ein Land ohne Meer. Sie hat nur den Himmel, um zu träumen.

Es gab in der Schweiz keine Firma, die so strahlte wie die Swissair. «Wenn ich im Ausland die Heckflosse einer Swissair-Maschine sehe, dann fühle ich mich wie auf dem Rütli», sagte Bundesrat Ogi. Die Swissair war eine Firma mit stolzen Piloten, stolzen Technikern, stolzen Bürolisten. Sie war die einzige Firma, die im Telefonbuch erwähnt wurde (statt «Angest.» schrieben viele «Swissair-Angest.»), die einzige, die in der NZZ im Inland- statt Wirtschaftsteil erschien. Die Swissair war ein Stück weit wie die frühere Schweiz selbst: präzis, technisch, weltoffen und militärisch organisiert, mit zurückhaltendem, aber topmodernem Design. Und gut kapitalisiert: Man nannte sie «die fliegende Bank». Als die Swissair-Flugzeuge 2001 am Boden blieben, protestierten Tausende vor den Banken. Eine Bombendrohung gegen die UBS kommentierte die Polizei trocken: «Wir erwarten noch eine gegen die Credit Suisse.» Eine Woche lang herrschte Stimmung wie bei einem Aufstand. Wer in der Swissair-Führungsetage sass, die halbe Wirtschaftselite des Landes, starb den gesellschaftlichen Tod.

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