Er hat eine diplomatische Krise mit Sri Lanka ausgelöst

Weil Nishantha Silva gegen das Regime in Sri Lanka ermittelte, flüchtete der Polizeiinspektor – mutmasslich in die Schweiz.

Nishantha Silva erhielt angeblich mehrere Todesdrohungen. Foto: PD

Nishantha Silva erhielt angeblich mehrere Todesdrohungen. Foto: PD

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Ein hochrangiger Polizeiermittler steht im Zentrum einer Affäre, die das Verhältnis zwischen der Schweiz und Sri Lanka schwer belastet. Es geht um einen Top-Beamten, der wegen eines Machtwechsels auf der Abschussliste landete. Und um Ermittlungsmethoden, bei denen eine Angestellte der Schweizer Botschaft in Sri Lanka festgehalten wurde.

Die Affäre nimmt ihren Anfang am vergangenen Sonntag. Wie lokale Medien berichten, ist Ermittler Nishantha Silva mit einer Edelweiss-Maschine von der Hauptstadt Colombo nach Zürich geflogen. Danach soll er einen Asylantrag in Genf gestellt haben. Weder das Staatssekretariat für Migration noch die Genfer Behörden wollten sich dazu äussern.

Um an Informationen zu Silva zu gelangen, verletzte das Regime sämtliche diplomatischen Spielregeln. Anfang Woche zerrten Männer eine Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft in Colombo in einen Minibus und hielten sie zwei Stunden fest.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie Informationen über Silvas Flucht herauspressen wollten. Für das Aussenministerium EDA ein «sehr gravierender und nicht akzeptabler Angriff auf eine seiner diplomatischen Vertretungen und deren Angestellte», wie ein Sprecher sagt. Laut der Agentur AFP hat die sri-lankische Polizei eine «sofortige Untersuchung» der Vorfälle eingeleitet.

Wieso flüchtete Silva? Wie lokale Medien berichteten, erhielt der Polizeiinspektor in den vergangenen Tagen Todesdrohungen. Trotzdem wurde sein Polizeischutz gestrichen. Zuvor hatten sich die Machtverhältnisse im Land geändert. Bei den Präsidentenwahlen am 16. November siegte Gotabaya Rajapakse. Kurz darauf hat er seinen Bruder Mahinda zum Premierminister ernannt, der schon von 2005 bis 2015 Präsident war.

Der neu gewählte Präsident von Sri Lanka Gotabaya Rajapksa wendet sich in einer Rede an die Nation. Foto: Keystone

Der Rajapakse-Clan ist zurück an der Macht – der Clan, gegen den Silva in mehreren Fällen ermittelte. Silva untersuchte die Fälle der Journalisten Lasantha Wickrematunge und von Prageeth Eknaligoda, beides bekannte Regimekritiker. Lasantha wurde 2009 von maskierten Männern umgebracht. Eknaligoda ist im Januar 2010 spurlos verschwunden. In beiden Fällen führten die Spuren zum Militär – und zu Gotabaya Rajapakse. Dieser steht im Verdacht, eine Spezialeinheit direkt angewiesen haben, Oppositionelle zu ermorden. Er selber weist die Vorwürfe zurück.

«Parteiische Ermittlungen»

Der Polizeiinspektor befragte auch Militärs, die 2009 elf jugendliche Tamilen entführt hatten. Die Jugendlichen wurden später getötet. Vor Gericht haben ehemalige Staatsangestellte ausgesagt, Gotabaya Rajapakse sei über die Entführungen informiert worden – und habe seine Mitarbeiter trotzdem geschützt.

Der Rajapaksa-Clan ist definitiv zurück an der Macht. Und Silva damit auf der Abschussliste.

Die Regierung liess Anfang Woche verlauten, Silva habe in den letzten Jahren «parteiische Ermittlungen» geführt. Damit gemeint ist, dass er die Tamilen verschonte – auch weil sein Vater selber Tamile ist. Im vergangenen Jahr sagte er dazu, dass alle seine Vorfahren dem Land gedient hätten: «Ich bin auf sie alle stolz.»

Schon einmal schien Silvas Karriere am Ende. Von Oktober bis Dezember 2018 gelang Mahinda Rajapakse ein Comeback als Premierminister. Sofort setzte er Silva ab. Nachdem die Regierung zusammenbrach, kehrte der Ermittler zurück. Jetzt ist der Rajapakse-Clan definitiv zurück. Und Sri Lanka für Nishantha Silva kein sicheres Land mehr.

Erstellt: 28.11.2019, 20:44 Uhr

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