Der mögliche Bundesrätinnengatte

Der Zürcher SVP-Politiker Bruno Dobler ist der Partner der CVP-Bundesratskandidatin Heidi Z’graggen.

Scheint nicht kürzer treten zu wollen: Bruno Dobler im Jahr 2011. Foto Steffen Schmidt (Keystone)

Scheint nicht kürzer treten zu wollen: Bruno Dobler im Jahr 2011. Foto Steffen Schmidt (Keystone)

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Jedes Jahr lädt das Präsidium des ZKB-Bankrats die eidgenössischen Parlamentarier aus dem Kanton Zürich zum Mittagessen ein. Gestern war es wieder so weit. Hier ist Bankrat Bruno Dobler in seinem Element. Lobbyieren, kommunizieren, netzwerken – das sei eines seiner grossen Talente, sagen Leute, die ihn kennen, über den Politiker aus Eglisau. Er hat eine unkonventionelle Karriere gemacht: angefangen als Banklehrling, später Pilot, Gründer einer Pilotenschule und einer Airline, CEO einer weiteren Airline und eines Bergbahnbetriebs.

Auch der politische Werdegang ist aussergewöhnlich: Er war Kantonsrat der Auto-Partei, verliess die Partei und wurde als Parteiloser wiedergewählt, trat später der SVP bei. Seit 2011 ist er Vizepräsident des ZKB-Bankrats. Dorthin kommt man entweder mit langjähriger Erfahrung im Finanzwesen oder mit einem entsprechenden Universitätsabschluss. Dobler fehlte beides. Aber nicht die Überzeugungskraft.

Die Konkurrentin Viola Amherd gilt bei vielen Parlamentariern der rechten Ratshälfte als zu links. Z’graggen hingegen wird von ihnen gelobt.

Nun, kurz vor dem vorläufigen Ende seiner politischen Laufbahn – wegen der Altersguillotine muss der 66-Jährige als ZKB-Bankrat zurücktreten –, kommt er wieder in die Schlagzeilen: als Lebenspartner der Urner Justizdirektorin Heidi Z’graggen (52), die letzten Freitag von der CVP-Bundeshausfraktion ins Rennen um den frei werdenden Bundesratssitz geschickt wurde. Dobler und Z’graggen führen seit einem Jahrzehnt eine Beziehung zwischen Eglisau und dem anderthalb Autostunden entfernten Erstfeld an der Gotthard-Strecke.

Video: Bundeshausredaktor Fabian Renz analysiert die Nominierungen

So vernichtend triumphierten Amherd und Z‘graggen. Video: Tamedia

Es fragt sich, wie die Tatsache, dass Z’graggens Partner in der SVP aktiv ist, die Wahlchancen der Lehrerin und promovierten Politologin beeinflusst? Die Konkurrentin aus dem Wallis, Nationalrätin Viola Amherd, gilt bei vielen Parlamentariern der rechten Ratshälfte als zu links. Z’graggen hingegen wird von ihnen gelobt. Ihr Vorteil sei, dass sie «nicht mit dem CVP-Bundeshausfilz verstrickt ist», sagt der frühere Zürcher SVP-Nationalrat Hans Kaufmann. Die aktuelle SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann sieht in Bruno Dobler einen jovialen, umgänglichen Menschen, der sich unglaublich gut verkaufen kann. Er werde die Wahlchancen von Heidi Z’graggen eher schmälern, sagt sie, wegen des «Anti-SVP-Reflexes».

400 Leitsätze auf der Webseite

Ob sich Dobler auf den Job als Bundesrätinnengatte freuen würde, war gestern kurzfristig nicht zu erfahren. Das ZKB-Meeting hat ihn zu sehr in Anspruch genommen. Man sagt über den Vater von zwei erwachsenen Söhnen, dass er alle paar Jahre nicht nur den Job, sondern auch die Branche wechsle. Also ist es nun wieder an der Zeit.

Auch seine Webseite sieht nicht so aus, als würde er sich zur Ruhe setzen. Als Hintergrundbilder wählte Dobler Flugzeugturbinen und Kondensstreifen am Himmel. Als Pilot habe er viele Stürme und Turbulenzen ausgehalten, heisst es dort, wo er seine Dienstleistung als Kommunikationsberater anbietet. Wer die Website regelmässig besucht, bekommt jede Woche einen neuen Leitsatz zu lesen, seit acht Jahren schon. Über 400 Leitsätze sind es mittlerweile. Einer lautet so: «In der Liebe ist die sachliche Distanz nicht förderlich. Bei Ihren Ideen jedoch umso mehr.» Man solle die eigenen Vorhaben hart prüfen, und wenn man dann immer noch begeistert sei: umsetzen, sofort. «Ansonsten fahren Sie besser mit ihrer Partnerin an den See.»

Erstellt: 20.11.2018, 20:42 Uhr

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