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Der Pegida-Hype

Wenn politische Energie auf der Strasse sichtbar wird, erhält sie überproportionale Beachtung.

Es ist Wahljahr in der Schweiz. Doch was hiesige Politjournalisten am meisten umzutreiben scheint, ist nicht der Formstand von SP, CVP oder Grünliberalen. Es ist eine rechtskonservative Bewegung aus Dresden. Pegida ist in der Schweiz noch nicht viel mehr als eine Verlautbarung, aber sie erhält die Aufmerksamkeit einer Grosspartei. Das Muster ist immer dasselbe: Bereits bei den Bahnhofsprotesten «Stuttgart 21» wurde nach einem Revival des Bürgerprotests bei uns gesucht und der Begriff des «Wutbürgers» importiert. Der Schweizer Ableger der in Deutschland kurzzeitig erfolgreichen Piratenpartei erhielt grosszügig mediale Aufmerksamkeit – und blieb dennoch auf dem Wähleranteil einer Spasspartei sitzen.

Schafft es eine soziale oder politische Bewegung in Deutschland in die Schlagzeilen, geraten Deutschschweizer Redaktionen in Aufruhr. Denselben Reflex gibt es nur noch bei Phänomenen made in USA. Das Label «Occupy» oder eine mögliche Geistesverwandtschaft mit der libertär-konservativen Tea-Party garantieren auch in der Schweiz Schlagzeilen. Deutschland und die USA sind die Referenzpunkte unseres kulturellen Bezugssystems. Was dort Thema ist, ist es auch in der Deutschschweizer Provinz. Selbst dann, wenn wie im Fall der Pegida die Wirkrichtung eigentlich eine andere ist: Die Pegida-Aktivisten nehmen die Schweiz zum Vorbild, weil hier ihre Anliegen wie die Ausweisung krimineller Ausländer längst einen zentralen Platz in der politischen Agenda haben.

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