Der Plan B des Flughafens Lugano ist bereits geplatzt

Die Betreiber müssen dringend einen Anbieter für die Strecke von Lugano nach Zürich finden. Sonst droht dem Tessiner Flughafen das Aus.

Die Fluggesellschaft Zimex aus Glattbrugg verpasste den Tessinern einen Korb. Die Gespräche hätten zu keiner Vereinbarung geführt. Foto: Keystone

Die Fluggesellschaft Zimex aus Glattbrugg verpasste den Tessinern einen Korb. Die Gespräche hätten zu keiner Vereinbarung geführt. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wegen des angedrohten Rückzugs der Swiss soll eine andere Fluggesellschaft die Linienflüge von Lugano nach Zürich durchführen. So lautet der Plan der beiden Aktionäre des Flughafens, der Stadt Lugano und des Kantons Tessin. Fliegen soll der Schweizer Charteranbieter Zimex mit Sitz in Glattbrugg ZH.

Auch die Flüge nach Genf, die es seit dem Grounding des Fluganbieters Darwin im Herbst 2017 nicht mehr gibt, soll Zimex übernehmen. So steht es in einem Masterplan des Flughafens und in einer Botschaft der Luganeser Stadtregierung ans Parlament. «Wir haben entsprechende Verhandlungen aufgenommen», bestätigte Flughafendirektor Maurizio Merlo vor einer Woche der «SonntagsZeitung».

Doch nun gibt Zimex den Tessinern einen Korb. Am Donnerstagmorgen teilte das Unternehmen mit, es plane keine Linienflüge ab Lugano, weder nach Zürich noch nach Genf. Es habe zwar mit dem Flughafen Lugano zu einem früheren Zeitpunkt Gespräche für eine mögliche Zusammenarbeit für die Strecke Lugano–Genf gegeben. Diese habe nicht zu einer Vereinbarung geführt. Das Nein aus Glattbrugg ist definitiv. Denn laut der Mitteilung hat der Verwaltungsrat von Zimex den Einstieg in den Passagier-Linienflugbetrieb ausgeschlossen.

Schlimme Folgen für die Beschäftigten

Für die Tessiner Flughafenbetreiber ist das eine bittere Pille. Nur eine Woche, nachdem ihr Plan B öffentlich gemacht wurde, ist dieser bereits geplatzt. Nun müssen sie eine andere Fluggesellschaft finden, die die wenig rentablen Strecken betreiben möchte. Oder darauf hoffen, dass sich die Swiss doch noch erweichen lässt, die Linie Lugano–Zürich im Flugplan zu behalten.

Doch das ist höchst ungewiss, denn Swiss-Chef Thomas Klühr stellte die Strecke vor zwei Wochen in der «SonntagsZeitung» infrage. Stattdessen soll ein sogenannter Flugzug die Passagiere von Lugano an den Flughafen Zürich befördern – so, wie es die Swiss bereits ab Basel tut. Klühr verweist auf den neuen Basistunnel durch den Ceneri, der Ende kommenden Jahres eröffnet wird. Von Lugano kommt man dann mit der Bahn in knapp zwei Stunden nach Zürich – in vierzig Minuten weniger als heute.

Finden die Flughafenbetreiber keine baldige Lösung, könnte dies für den Flughafen den Todesstoss bedeuten. Denn seit dem Aus von Darwin sind die Verbindungen nach Zürich, die viermal täglich angeboten werden, die letzten Linienflüge. Und der Flughafen schrieb in den vergangenen zwei Jahren einen Verlust von jeweils gut einer Million Franken. Dieses Defizit tragen die Stadt Lugano und der Kanton Tessin. Sie suchen verzweifelt ein neues Geschäftsmodell, das den Flughafen wieder in die schwarzen Zahlen bringt.

Nun könnte ihnen die Swiss – und seit vergangenem Donnerstag auch Zimex – einen Strich durch die Rechnung machen. Der Kanton Tessin befürchtet schlimme Folgen für die achtzig Beschäftigten, aber auch für die öffentliche Hand. Denn der Flughafen Lugano-Agno gehört dem Staat: Mehrheitsaktionärin der Lugano Airport SA ist die Stadt Lugano, Minderheitsaktionär der Kanton.

Erstellt: 16.08.2019, 19:27 Uhr

Artikel zum Thema

Klimadebatte: Jetzt redet der Swiss-Chef

Interview Thomas Klühr kündigt zwei neue Langstrecken an – und stellt die Flüge Zürich–Lugano infrage. Mehr...

Tessin wagt den Aufstand gegen die Swiss

Wegen des angedrohten Rückzugs soll eine andere Fluggesellschaft die Linienflüge von Lugano nach Zürich durchführen. Mehr...

Mit dem Drohnen-Taxi nach Zermatt

Der Flughafen Lugano soll ein Ausgangsort für Shuttle-Flüge in Ferienorte werden. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Die Schweiz zum halben Preis entdecken

Exklusiv und nur für kurze Zeit: Mobility-Testabo für 43 Franken inkl. gratis Hotelcard!

Die Welt in Bildern

Mit Augenringen: Kinder präsentieren in der Shougang-Eishockey-Arena Bing Dwen Dwen das Maskottchen der Winterspiele 2022 in Peking. (17. September 2019)
(Bild: Xinyu Cui/Getty Images) Mehr...