Der Quotenmann

Der Walliser FDP-Nationalrat Philippe Nantermod ist Feminist.

Kämpft für die Gleichstellung von Mann und Frau: FDP-Nationalrat Philippe Nantermod.

Kämpft für die Gleichstellung von Mann und Frau: FDP-Nationalrat Philippe Nantermod. Bild: Anthony Anex/Keystone

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Er ist ein Mann. Und Mitglied der FDP-Frauen. Er ist erst seit einem Jahr Nationalrat der Freisinnigen. Und stellt sich bereits quer zu seiner Partei: Der Walliser Philippe Nantermod befürwortet die Frauenquote. Wobei ihm dieser Begriff natürlich nicht behagt, er klingt dem Liberalen zu sehr nach Verordnung. Darum präzisiert er: «Ich bin gegen eine gesetzliche Frauenquote, aber für die Empfehlungen des Bundesrats.» Dieser will, dass im Verwaltungsrat grösserer Unternehmen mindestens 30 Prozent Frauen vertreten sind, in der Geschäftsleitung sollen es 20 Prozent sein.

Wenn die Unternehmen diese Ziele verfehlen, müssen sie offenlegen, warum. Dieser sanfte Druck könnte wirksam sein, hofft Nantermod. Erst wenn Firmen nämlich ausweisen würden, was sie für die Frauenförderung tun, erkenne man, ob das auch tatsächlich funktioniere. Die Wirtschaft, auf der Suche nach Fachkräften, gebe sich so die Antwort auf eine ihrer drängendsten Fragen gleich selbst, sagt Nantermod. «Wir können nicht über einen Inländervorrang reden, ohne die Frauen zu berücksichtigen.»

«Ganz klar: Ich bin Feminist»

Der 32-Jährige gilt als aufstrebender, äusserst ehrgeiziger Politiker, der schon im Walliser Kantonsparlament aufgefallen ist. Auf die Nationalratswahlen im vergangenen Jahr, es war sein vierter Anlauf, hatte sich Nantermod akribisch vorbereitet – jahrelang. Er formulierte ein politisches Programm mit seinen Positionen, das zuerst hundert, schliesslich noch fünfzig Seiten lang war. Dabei bewegt sich Nantermod am rechten Rand seiner Partei: möglichst viel Freiheit, starker Wettbewerb, möglichst wenig staatliche Interventionen. Vorschriften für das Taxigewerbe etwa will er ganz abschaffen: Um im Wettbewerb mit Uber zu bestehen, sollen die Taxifahrer keine Auflagen zu Arbeits- und Ruhezeiten mehr befolgen müssen. Allgemein empfindet Nantermod die herrschenden Bedingungen zur Berufsausübung als «innovationsbremsend» und «schlecht mit dem freien Markt vereinbar».

Zugleich will Nantermod aber auch eine Gesellschaft, die umsetzt, was der Gleichstellungsartikel in der Verfassung seit Jahrzehnten verlangt. «Ganz klar: Ich bin Feminist», sagt er am Telefon. Er ist ausser Atem, sein Tag ist vollgestopft mit Sitzungen und Besprechungen. Feminismus sei ein wichtiges Thema, über das heute zwar wieder mehr geredet werde, aber noch nicht genug. Selber denkt er erst so richtig darüber nach, seit er seine Verlobte kennt. Mit ihr ist er seit rund drei Jahren zusammen. Sie habe ihn sensibilisiert: «Mir wurde in Diskussionen mit ihr klar, dass die Gesellschaft Männer und Frauen noch immer unterschiedlich behandelt.» Darum sei er den FDP-Frauen beigetreten: weil es dort um Ideen gehe, welche die Gesellschaft und damit auch die Männer betreffe. Wer sich für Frauen einsetze, nehme den Männern nichts weg. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.11.2016, 18:13 Uhr

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