«Schlaflose Nächte, verlorenes Geld»

Snowboard-Pionier Jake Burton Carpenter ist tot. 2018 gab die Sportlegende dieser Zeitung ein Interview und verriet, weshalb er die USA für seine grosse Liebe verliess: die Schweiz.

Jake Burton galt als Mit-Erfinder des Snowboards. Video: Tamedia, mit Material von Burton, Firstonboard

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Die Snowboard-Gemeinschaft hat einen grossen Visionär verloren: Jake Burton Carpenter, Gründer der Snowboard-Marke Burton, ist in Burlington im US-Staat Vermont gestorben. Er erlag im Alter von 65 Jahren einem Krebsleiden.

Im Juni 2018 führte der Journalist Thomas Wyss für diese Zeitung ein Interview mit Burton, das wir hier in Auszügen nochmals publizieren.

Wieso verlassen Sie die USA?
Weil es da derzeit für liberale Menschen, zu denen wir uns zählen, wirklich kaum mehr auszuhalten ist. In einem Land zu leben, das jemanden wählt wie Trump, der verdammt noch mal verrückt ist, das fühlt sich ungut an. Hinzu kommt, dass meine Frau Donna, die bei uns als CEO amtet, dem Management mehr Verantwortung übertragen möchte. So wird das auch eine Art Testlauf (lacht).

Und warum gerade Zürich?
Wir lieben Österreich, wir haben dort viel Zeit verbracht, auch aus geschäftlichen Gründen. Darum möchten wir jetzt was anderes. Zürich ist durch den Flughafen international vernetzt, tolle Snowboardgebiete sind in vernünftiger Zeit erreichbar, es hat einen malerischen See, dessen Wasser so gut ist, dass man es trinken kann... Alles passt, diese Stadt ist für uns der richtige Vibe zur richtigen Zeit.

Burton im Juni 2018 beim Matterhorn. Foto: Reto Oeschger

Sind Sie bereits fündig geworden?
Ich habe gestern in Zermatt meinen 100. Snowboardtag absolviert, heute sind wir nach Zürich gekommen, um uns das eine oder andere anzusehen. Wichtig ist, dass die künftige Wohnung in der Nähe des Opernhauses sein wird.

Sagen Sie uns: Wie war das eigentlich damals... Haben Sie auf Anhieb gewusst, was es braucht, damit ein Snowboard funktionieren kann?
Hätte ich es gewusst, hätte ich mir viel schlaflose Nächte und noch mehr verlorenes Geld erspart. Nein, es war das typische «Trial and Error», wir haben Dutzende untaugliche Prototypen gefertigt.

Trotzdem haben Sies geschafft. Was machten Sie besser als die diversen gescheiterten Konkurrenten?
Meine Pioniertat war, dass ich Snowboarding als Sport und Lifestyle etablieren konnte. Das gelang, als ich den Plan aufgab, in kurzer Zeit ganz viel Geld zu verdienen. Danach wollte ich beweisen, dass es klappt, weil ich sah, dass alles da war, damit es klappen kann. Es war wohl diese Leidenschaft... Und dass ich niemanden beschissen habe!

Entwickelt sich der Sport in die richtige Richtung?
Es ist immer noch ein weisser Sport; mir fehlt die ethnische Vielfalt, es gibt in den USA kaum junge Schwarze oder Hispanoamerikaner, die man boarden sieht, weil es nach wie vor zu teuer ist.

Ich wollte eigentlich eher auf das «No limits»-Denken ansprechen.
Unser Fahrer Kevin Pearce erlitt 2009 bei einem missglückten Trick schlimme Hirnverletzungen. Ich glaubte, dass nach diesem Unfall das Streben nach immer noch verrückteren Nummern aufhören würde, doch das ist nicht passiert.

Im Speziellen dafür verantwortlich sind auch Shaun White und Iouri Podlatschikov. Wie sehen Sie die verbissene Rivalität der beiden?
So verbissen ist die längst nicht mehr, da ist viel Respekt, aber auch viel Show. Wir verstehen uns bestens, Iouri trug beim Goldrun in Sotschi sogar meine alten Handschuhe. Als wir uns bei einem Rennen vor Olympia trafen, fand er die cool, also hab ich sie ihm geschenkt.

Erstellt: 22.11.2019, 08:00 Uhr

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