Der Rivale ist zurück

Lange hat es ausgesehen, als hätte CVP-Präsident Christophe Darbellay 2017 freie Bahn in die Walliser Regierung. Doch nun holt ihn seine Vergangenheit ein.

Auf Stimmenmagnet Darbellay wird die Unterwalliser CVP nicht verzichten wollen: Der Parteipräsident am Tag der eidgenössischen Wahlen im Oktober 2015.

Auf Stimmenmagnet Darbellay wird die Unterwalliser CVP nicht verzichten wollen: Der Parteipräsident am Tag der eidgenössischen Wahlen im Oktober 2015. Bild: Keystone

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Verletzter Stolz kann einiges bewirken. Das hat Moritz Leuenberger in entwaffnender Offenheit gezeigt, als er nach seinem Rücktritt aus dem Bundesrat Verwaltungsrat beim Bauriesen Implenia wurde. Die SP hatte ihren Magistraten nach 15 Amtsjahren zum Rücktritt gedrängt. Das habe ihn gekränkt, sagte Leuenberger später. Mit dem Gang zu Implenia zahlte er es den Genossen heim, die Partei war empört.

Es mag mit diesen Mechanismen der menschlichen Psyche zu tun haben, was sich derzeit im Wallis abspielt: Ex-CVP-Nationalrat und Parteipräsident Christophe Darbellay, der schon lange Regierungsrat seines Heimatkantons werden will, und der für die Wahlen von 2017 bis vor kurzem mit guten Chancen rechnen durfte, muss sich nun auf einen parteiinternen Machtkampf einstellen. Denn Darbellays Parteikollege Maurice Tornay, Staatsrat seit 2009, liebäugelt mit einer dritten Amtszeit.

Todesfälle und Pansch-Affäre

Damit könnte sich die Geschichte wiederholen: Tornay, ein Christdemokrat konservativer Ausprägung, hat seinen Konkurrenten Darbellay 2008 an der Kandidatenkür der CVP Unterwallis in einem spektakulären Coup ausgestochen. Tornay hatte massenhaft Stimmende für den Kongress mobilisiert und damit den vergleichsweise unvorbereiteten Darbellay mit grossem Mehr überflügelt.

Doch es folgten unschöne Jahre für Tornay. Schon bald nach Amtsantritt häuften sich im Kantonsspital mysteriöse Todesfälle, die Sache wuchs zum Skandal, Gesundheitsminister Tornay hing mit drin. Zeitlich leicht verzögert, aber mit der Spitalaffäre überlagernd, geriet der Weinhändler Dominique Giroud in die Bredouille, ihm wurden Panscherei und Steuervergehen vorgeworfen. Finanzminister Tornay hing mit drin. Er, dessen Treuhandbüro früher für Giroud gearbeitet hatte, habe seinen Bekannten geschützt, hiess es. Dem 62-jährigen Steuerexperten aus Orsière bei Martigny werden weitherum gute Fachkenntnisse attestiert. Doch in seinen Jahren als Regierungsrat kam er kaum dazu, sie öffentlichkeitswirksam unter Beweis zu stellen.

Angekratztes Ehrgefühl

Dass er in beiden Affären, Spital und Giroud, praktisch weissgewaschen wurde, hilft nicht viel. Zumal seine Partei ihn unterdessen – wie die SP weiland Moritz Leuenberger – dem Vernehmen nach ziemlich unmissverständlich zum Rücktritt aufgefordert hat. Zu schwer wiegt die Hypothek seiner Verstrickung in den problematischen Dossiers, zu gern ginge die Unterwalliser CVP mit dem Stimmenmagnet Darbellay in den Kampf um die Staatsratswahlen 2017. Kommt hinzu, dass Darbellay schon letzten Herbst seine Kandidatur angekündigt und damit implizit Druck gemacht hat auf seinen amtierenden Kollegen. Das kratzt am Ehrgefühl.

So spielt Tornay nun mit den Nerven seiner Konkurrenten und seiner Parteiverantwortlichen, indem er eine dritte Kandidatur in Betracht zieht. Er werde sich bis zum Parteikongress vom 12. Mai entscheiden, sagt er auf Anfrage des «Tages-Anzeigers». Vielleicht vorher, vielleicht erst dann. Noch eine Woche haben die Kandidaten Zeit, Stimmende für den Kongress anzumelden. Beobachter sagen, dass sich Darbellay diesmal besser als 2008 vorbereitet und gut mobilisiert habe, um gerüstet zu sein, falls Tornay nochmals antritt.

Eine Richtungswahl

Die Frage ist, was geschehen würde, wenn Tornay tatsächlich nochmals antreten würde. Die Partei könnte es sich kaum leisten, einen amtierenden Staatsrat nicht mehr aufzustellen. Gleichwohl möchte die Partei keinesfalls auf Darbellay verzichten, der bei den Nationalratswahlen regelmässig Spitzenresultate erzielte, medial dauerpräsent und – im Gegensatz zu Tornay – ein guter Kommunikator ist.

Kaum jemand mit Rang und Namen im Wallis will sich zu der Angelegenheit zitieren lassen. Aber alle geben sich gespannt im Hinblick auf den 12. Mai. Es sei auch eine Richtungswahl, sagt Luzius Theler, früherer stellvertretender Chefredaktor des «Walliser Boten»: «Bei der parteiinternen Vorentscheidung geht es auch darum, ob der konservative oder der liberale Flügel der CVP im Staatsrat vertreten sein soll.» Für Theler ist klar, dass es sich die Partei kaum leisten könnte, einen amtierenden Staatsrat grundlos zum Rücktritt zu zwingen. SP-Nationalrat Mathias Reynard sagt: «Wenn Darbellay und Tornay antreten, wird es für die CVP extrem schwierig.» Ob Tornay nochmals antreten wird? Wer weiss. Verletzter Stolz kann viel bewirken. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.02.2016, 21:06 Uhr

Maurice Tornay (links) mobilisierte 2008 massenhaft Stimmende für den Kongress der CVP Unterwallis, und stach damit seinen Konkurrenten Christophe Darbellay aus. (Bild: Keystone )

Von den Affären um das Spital und um Weinhändler Giroud blieb nicht viel übrig: CVP-Staatsrat Maurice Tornay konnte nichts angelastet werden (Aufnahme vom August 2015). (Bild: Keystone )

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