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Der Run auf den Trisomie-Test bleibt aus

Der Bluttest zur frühen Erkennung des Down-Syndroms bei Ungeborenen ist ab heute in der Schweiz auf dem Markt. Der grosse Andrang bei den Spitälern ist bislang ausgeblieben.

Mit dem neuen Test ist schon ab der zwölften Schwangerschaftswoche der Nachweis von Trisomie möglich: Ein menschlicher Fötus. (Archivbild)
Mit dem neuen Test ist schon ab der zwölften Schwangerschaftswoche der Nachweis von Trisomie möglich: Ein menschlicher Fötus. (Archivbild)
Keystone

Der umstrittene Bluttest zur Erkennung des Down-Syndroms bei Ungeborenen ist seit heute in der Schweiz auf dem Markt. Dies teilte der deutsche «PraenaTest»-Hersteller LifeCodexx in Konstanz mit. In Schweizer Spitälern ist kein Run auf den Test feststellbar.

Beim Universitätsspital Zürich hätten sich Schwangere seit längerer Zeit regelmässig nach dem Test erkundigt, sagte ein Sprecher des Spitals auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Im Universitätsspital gehe man davon aus, den Test künftig etwa vier mal pro Woche durchzuführen. Bei einer Testphase im Juli hat das Universitätsspital acht Frauen Blut für den Test abgenommen.

Kein Andrang in Basel und Bern

In der Basler Frauenklinik wird der Bluttest bereits seit Juli angeboten. Ein Andrang sei nicht zu verzeichnen, sagte eine Sprecherin. Dem Berner Inselspital lagen insgesamt fünf Anfragen vor.

Durchgeführt wird der Trisomietest erst nach dem Ersttrimester-Screening. Beim Screening werden Risikofaktoren abgeklärt. Dazu zählen unter anderen das Alter der Frau (über 35 Jahre) oder ein auffälliger Ultraschallbefund.

Erst nach einer eingehenden Beratung – nach dem Screening – wird dann allenfalls der Trisomietest durchgeführt. Zeigt dieser an, dass beim Ungeborenen das Down-Syndrom vorhanden ist, kann die werdende Mutter noch eine Chorionzottenbiopsie oder eine Fruchtwasseruntersuchung machen lassen. Diese ergeben sichere Resultate und sind seit Jahrzehnten möglich. Allerdings besteht bei diesen Eingriffen ein Abort-Risiko. Es liegt bei 1 Prozent.

Test ist für Risikogruppen gedacht

Anders als bei der herkömmlichen Fruchtwasser-Punktion analysiert der «PraenaTest» die DNA des Fötus, die sich im Blut der Mutter befindet. Eine Zulassung als Heilmitteil ist gemäss dem Schweizer Heilmittelinstitut swissmedic nicht notwendig, da es sich beim Test nicht um ein Medikament handelt.

Der Bluttest ist für dieselben Frauen bestimmt, denen heute schon von ärztlicher Seite zu einer Abklärung des Trisomie-21-Risikos geraten wird. Der Chromosomen-Fehler Trisomie 21 führt zu geistigen Behinderungen und körperlichen Auffälligkeiten.

Der «PraenaTest» kostet 1500 Franken. Die Kosten werden von der Krankenkasse nicht übernommen. Mit dem «Praena-Test» kann nur eine Trisomie 21 erkannt werden. Für alle anderen Anomalien braucht es fötale Zellen.

Behindertenverbände stehen dem Test kritisch gegenüber. Sie befürchten, dass der Druck auf Schwangere steigt, sich testen zu lassen und bei entsprechenden Testergebnissen die Schwangerschaft abzubrechen. Sie fordern auch eine gesellschaftspolitische Diskussion über die Definition von lebenswertem Leben. Auch Medizinethiker fragen sich, wer zu welchem Zeitpunkt welche genetischen Informationen erhalten dürfe.

SDA/rub

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