Der Schaden ist angerichtet

Pascal Broulis, Isabelle Moret und die FDP Waadt wecken Geister, die man beim Freisinn überwunden glaubte.

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Das Ausfüllen der Steuererklärung gehört zu den mühsameren Bürgerpflichten. Wie es dabei um die Steuerehrlichkeit steht, ist umstritten. Zwar gehen Untersuchungen davon aus, dass die meisten Schweizer dem Fiskus etwa das abliefern, was sie ihm schulden. Andererseits zeigt der grosse Zuspruch, auf den Steueramnestien hierzulande stossen, dass längst nicht alle Bürger die Steuererklärung wahrheitsgemäss ausfüllen.

Was der Steuerehrlichkeit mit Sicherheit abträglich ist, ist das Gefühl, dass der Fiskus nicht alle gleichbehandelt. Und genau dieses Gefühl nährt der Waadtländer Finanzdirektor Pascal Broulis. Recherchen dieser Zeitung deckten auf, wie der FDP-Mann seine Steuern auf fragwürdige Weise optimiert. So arbeitet Broulis in Lausanne, wohnt mit der Familie unweit des Büros, hat seinen Wohnsitz aber im steuergünstigen Sainte-Croix. Bei den Transportkosten macht er den maximalen Steuerabzug geltend, als pendle er jeden Tag von Sainte-Croix nach Lausanne – obwohl er dies nachweislich nicht tut.

Ob dies illegal war, wird nun untersucht. Moralisch ist Broulis jedenfalls angeschlagen: Wer als Finanzdirektor ein Buch mit dem Titel «Die glückliche Steuer» publiziert und selber zu Steuertricks greift, verspielt seine Glaubwürdigkeit.

Wie kann es sein, dass die Steuerverwaltung die Sache derart vertrödelt?

Kommt hinzu, dass die Affäre Kreise zieht. So hat diese Zeitung auch aufgedeckt, dass FDP-Nationalrätin Isabelle Moret seit 2008 von Broulis’ Steuerverwaltung nicht ordentlich veranlagt wurde. Man fragt sich, was denn mit ihrer Steuererklärung nicht stimmt – und wie es sein kann, dass die Steuerverwaltung die Sache derart vertrödelt. Dem Durchschnittsbürger, der jährlich brav seine Steuern zahlt, ist dies nicht zu vermitteln.

Broulis, Moret und die FDP Waadt haben alles Interesse, Klarheit zu schaffen. Bisher tun sie das Gegenteil. So machte sich Broulis mit der Aussage lächerlich, Zürcher Medien attackierten ihn, weil die Waadt wirtschaftlich prosperiere. Und seine Partei übte Druck auf den Journalisten aus, der die Affäre ins Rollen gebracht hatte. Machen die FDP Waadt und ihre Expo­nenten so weiter, wird der Ruf von Filz und Copinage an ihnen haften bleiben. Sie wecken damit Geister, die man beim Freisinn in dieser Art überwunden glaubte.

Erstellt: 06.03.2018, 20:33 Uhr

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