Der Leistungsdruck vertieft den Geschlechtergraben

Buben fühlen sich von der Feminisierung der Schule überfordert. Doch das ist nur ein Symptom.

Es gibt bei Schülerinnen und Schülern verschiedene Typen mit verschiedenen Bedürfnissen: Schulklasse in Hohentengen. Foto: Archiv

Es gibt bei Schülerinnen und Schülern verschiedene Typen mit verschiedenen Bedürfnissen: Schulklasse in Hohentengen. Foto: Archiv

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Junge Männer werden im aktuellen Bildungssystem abgehängt – das ist ein Befund, den die Zahlen ebenso stützen wie Aussagen von Lehrern, Pädagogen, Eltern und Schülern. Aber bei der Analyse der Gründe gehen die Meinungen auseinander.

Für die einen sind es die vielen Lehrerinnen, die mit den Mädchen besser zurechtkommen als mit den Buben. Andere erwähnen die neuen Unterrichtsmodelle, die das System Frontalunterricht zugunsten von selbst organisiertem Lernen zurückgedrängt haben. Und dieses liege den Mädchen besser. Schliesslich treffe auch der Selektionsdruck, besonders in der Sekundarstufe, die Jungs in einem ungünstigen Alter.

Eine andere Frage ist, wie man auf diese Entwicklung reagieren soll. Braucht es Massnahmen extra für junge Männer? Braucht es weniger «Feminismus» in den Schulen, um den jungen Herren die Freude am Lernen nicht weiter zu vergällen?

Die Frage ist falsch gestellt. Statt dem «Feminismus» die Schuld zu geben für das schlechtere Abschneiden der Jungs und die Gräben zwischen den Geschlechtern weiter zu vertiefen, würde man sich besser auf andere Aspekte konzentrieren. Es gibt bei Schülerinnen und Schülern verschiedene Typen mit verschiedenen Bedürfnissen.

Manche mögen Frontalunterricht, andere selbst organisiertes Lernen. Manche lieben es, sich durch Fleiss zu profilieren, andere möchten ihr vernetztes Denken und ihre Kreativität beweisen. Für beide sollte es entsprechende Angebote geben.

Schülerinnen und Schüler werden ständig getestet, bewertet und eingeteilt. Das führt zu erheblichem Druck.

Weit wichtiger aber ist noch die Frage des Leistungs- und Selektionsdrucks. Vom Kindergarten bis zum Abschluss der Schulzeit werden Schülerinnen und Schüler ständig getestet, bewertet und eingeteilt, was zu erheblichem Druck führt. Es ist Zeit, über neue und kreativere Formen des Leistungsnachweises nachzudenken. Davon würden Schülerinnen, Schüler, Lehrerinnen und Lehrer profitieren.

Erstellt: 17.09.2019, 08:23 Uhr

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