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Der Steuerrabatt für hohe Schulden ist grotesk

Der neue Vorschlag zum Eigenmietwert ist stimmig. Ein System, das die Sparsamen bestraft, gehört abgeschafft.

Ein Fussballkommentator würde jetzt wohl enthusiastisch ver­künden, es sehe gut aus, man dürfe jetzt nur nichts verschreien. Stimmt, nur nicht übermütig werden. Das gilt auch für die Wirtschaftskommission des Ständerats, die in einem der schwierigsten Dossiers, die Bundesbern zu bieten hat, einen famosen Zwischenerfolg erzielt hat: Ihr ist es gelungen, eine Vorlage zur Abschaffung des Eigenmietwerts aufzugleisen, die nicht nur in sich stimmig ist, sondern mutmasslich sogar mehrheitsfähig. Das ist nach über 20 Jahren, drei gescheiterten Volksabstimmungen und unzähligen erfolglosen Vorstössen wirklich mal etwas Neues.

Grob gesagt, will die Kommission die Wohneigentümer vom Eigenmietwert erlösen, ihnen im Gegenzug aber die meisten Steuerabzüge – von den Schuldzinsen bis zum Unterhalt – wegnehmen.

Aber eben, der Eigenmietwert hat noch jeden Angriff überlebt. Er ist und bleibt das grosse Ärgernis vieler Wohneigentümer, die nicht begreifen wollen, warum sie dieses «fiktive Einkommen» versteuern sollen. Dass dieses Regime immer noch in Kraft ist, haben sich seine Gegner primär selber zuzuschreiben. Angepeitscht vom Hauseigentümerverband (HEV), verfolgten sie bisher immer eine Fünfer-und-Weggli-Taktik: Sie wollten den Eigenmietwert abschaffen, gleichzeitig aber die vielen liebgewonnenen Steuerabzüge rund ums Haus bewahren. Damit sind sie zu Recht gescheitert.

Es brauchte eine Reihe bitterer Niederlagen, bis der HEV letztes Jahr endlich ein Einsehen hatte. Heute ist der Verband bereit, fast jeden Preis zu bezahlen, um den Eigenmietwert loszuwerden.

Doch der Weg ist weit. Auch im besten Fall dauert es Jahre, bis die Reform greift. Die Gegner haben viel Zeit, das Projekt zu hintertreiben. Potenzielle Widersacher sind jene Kreise, die von den heutigen Steuerabzügen profitieren, zum Beispiel die Banken und das Gewerbe. Zudem ist die Reform nicht schmerzlos. Es wird auch Verlierer geben: Wohneigentümer, die höhere Steuern bezahlen müssen, oder junge Familien, für die es noch schwieriger wird, ein Haus zu kaufen.

Insgesamt aber wird der Nutzen überwiegen. Das heutige Steuer­regime hat dazu geführt, dass die Verschuldung der Privathaushalte in der Schweiz im internationalen Vergleich beängstigend hoch ist. Aber man muss gar nicht lange Statistiken wälzen. Ein System, das die Sparsamen bestraft und jene belohnt, die ihre Schulden nicht zurückzahlen, gehört abgeschafft.

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