Stimmen: «Täter soll nicht für viel Geld therapiert werden»

Was erwarten die Menschen vom Prozess gegen den Mörder von Rupperswil? Eindrücke und Stimmen vom Prozessauftakt.

«Die Opfer kann man nicht mehr zurückbringen»: Stimmen aus Schafisheim zum Prozess gegen Thomas N. Video: Lea Koch, Yannick Wiget

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Morgengrauen in Schafisheim. Der Himmel färbt sich rosa, ganz kurz taucht sogar ein Regenbogen am Himmel auf: Es ist, als wolle das Wetter die Dramatik des Moments verstärken. Dann aber zieht die Wolkendecke wieder zu, es wird grau, fängt an zu regnen, und wegen der Bise fühlen sich die 5 Grad noch kälter an. Das passt zum Prozess, der heute beginnt. Hier im imposanten Gebäude der mobilen Einsatzpolizei des Kantons Aargau muss sich Thomas N. vor dem Richter verantworten. Ihm wird der brutale Vierfachmord von Rupperswil zur Last gelegt, der im Dezember 2015 die ganze Schweiz schockierte.

Selten hat ein Kriminalfall so viel Aufsehen erregt. Mehrere Dutzend Medienvertreter trotzen dem garstigen Wetter draussen vor dem Gebäude. Sie konnten sich nicht mehr rechtzeitig akkreditieren. Die Plätze in der Halle, wo der Prozess über die Bühne geht, waren im Nu vergeben. «Das ist einer der grössten Fälle, die der Kanton Aargau in den letzten Jahren erlebt hat. Er stösst auf riesiges öffentliches Interesse», sagt Nicole Payllier, die Kommunikationschefin Gerichte, als sie vor dem Eingang nach dem Rechten schaut. Deshalb finde die Verhandlung auch nicht im Gerichtssaal in Lenzburg statt, sondern hier in Schafisheim.

«Gespannt, ob er Reue zeigt»

Der Aufwand, der für diesen Fall gemacht wird, ist enorm. Am Eingang des Areals kontrollieren Kantonspolizisten alle Fahrzeuge, die ins Gelände wollen. Nur wer auf der Liste steht, kommt rein. Beim Eingang ins Gebäude gibt es Sicherheitskontrollen wie am Flughafen: Die Prozessteilnehmenden müssen durch einen Metalldetektor. Draussen warten Journalistinnen und Journalisten schon seit 7 Uhr in der Früh auf Personen, die den Prozess live im Saal verfolgen werden. Nach und nach treffen sie ein. Die meisten Privatpersonen wollen sich nicht äussern, senken ihren Blick oder verstecken sich hinter ihrem Regenschirm, während sie schnellen Schrittes zum Eingang steuern.

Ob er persönlich vom Fall betroffen sei, fragen wir einen jungen Mann, der das Gebäude betreten will. «Ja, ich habe die Opferfamilie gekannt», sagt er. Und er studiere im Moment Jus und sei deshalb auch juristisch am Fall interessiert. «Ich bin gespannt, ob der Angeklagte das bekommt, was er für diese unglaubliche Tat verdient hat, aber auch, wie es ihm selbst geht nach so einer Tat, ob er Reue zeigen kann.»

Eine klare Meinung zum Strafmass hat eine andere Privatperson, die zum Zeitpunkt der Tat laut eigener Aussage auf der IV-Stelle des Kantons Aargau gearbeitet und sich täglich mit psychiatrischen Gutachten beschäftigt hat: «Ein Mensch, der jemanden absichtlich umbringt, hat kein Leben mehr in Freiheit verdient und soll nicht für viel Geld therapiert werden.» Die Opfer hätten ja auch keine Therapiechancen und null Chancen zurückzukommen.

Dann biegen die Zivilkläger um die Ecke. «Von ihnen bitte keine Fotos», sagt der Einsatzleiter der Polizei. Die meisten Medienvertreter halten sich daran. Schnell verschwinden die Personen im Eingang, denn der Prozess beginnt gleich. Dann schliessen sich die Türen, und für kurze Zeit kehrt auf dem Gelände der mobilen Einsatzpolizei Ruhe ein.

Aus Rücksichtnahme auf die Opfer und ihre Angehörigen in diesem Fall hat sich die Redaktion dazu entschlossen, unter diesem Artikel keine Kommentare zuzulassen. Wir bitten um Ihr Verständnis. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.03.2018, 11:44 Uhr

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