Der tiefe Fall des Moralisten

Ausgerechnet er stolpert über eine Stalking-Affäre: CVP-Mann Yannick Buttet ist einer der vehementesten Verfechter traditioneller Werte im Bundeshaus.

«Das ist inakzeptabel»: CVP-Präsident Gerhard Pfister äussert sich zu den Vorwürfen gegen Buttet. (Video: Tamedia/SDA)

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Ehrgeizig, konservativ, eigenwillig: Drei Attribute machen den Politiker Yannick Buttet aus. Ehrgeiz trug den damals 34-Jährigen 2011 ins nationale Parlament, und mit Ehrgeiz arbeitete er sich vor einem Jahr ins CVP-Parteipräsidium hinauf. Durch die neue Funktion erhoffe er sich «mehr Einfluss auf die Meinungsbildung der Partei», sagte er kurz vor seiner Wahl. Die Ausrichtung seiner Partei – Buttet will sie aktiv mitgestalten. Und für den Unterwalliser ist klar: Nur mit einer dezidiert konservativen Linie kann es den Christlichdemokraten gelingen, ihre Stammlande zu halten.

Obwohl er als einer der konservativsten – und dabei unnachgiebigsten – Köpfe in der Fraktion gilt, pries er sich vor seiner Wahl zum Vizepräsidenten im Frühling 2016 als «Gegengewicht» zu Parteichef Gerhard Pfister an. Dieser galt damals als das am weitesten rechts stehende Mitglied der Bundeshausfraktion. Das seinem Ehrgeiz geschuldete Manöver sorgte intern allerdings für Irritation – zu durchsichtig fanden viele Buttets Motiv, zu fragwürdig sein schlecht kaschierter Wunsch nach einer rechtskonservativen Wende.

Trotzdem schaffte der Walliser die Wahl mühelos: Die Partei wollte neben dem Zuger Gerhard Pfister und der Luzernerin Ida Glanzmann einen Romand an ihrer Spitze.

Konservativ

Buttets konservative Gesinnung widerspiegelt sich auch in seinen Voten im Rat: Der verheiratete Vater zweier Kinder ist ein vehementer Gegner erweiterter Rechte für Homosexuelle; die Stiefkindadoption für homosexuelle Paare ist ihm ein Graus, eine erleichterte Einbürgerung für Ausländer in eingetragenen Partnerschaften kommt für ihn nicht infrage, und auch die «Ehe light» zwischen heterosexuellen Partnern sieht er als «Angriff auf die Ehe». Die Familie, das ist für Buttet der «Ort, wo Werte übermittelt werden».

Dass nun ausgerechnet einer der lautesten Verfechter der traditionellen Ehe mit ausserehelichen Eskapaden und unorthodoxen Annäherungsversuchen nationale Bekanntheit erlangt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

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Muss Yannick Buttet zurücktreten?

Ja, er ist als Politiker nicht mehr tragbar.

 
69.6%

Mit einer Vorverurteilung ist niemandem geholfen. Erst einmal gilt es den Fall sauber aufzuarbeiten.

 
19.0%

Nein, er hat in seinem Privatleben einen Fehler gemacht, steht dazu und zeigt sich reuig.

 
11.4%

6211 Stimmen


Der Oberstleutnant und Vizepräsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft sitzt in der nationalrätlichen Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie. Als Energiepolitiker hat Buttet bislang jedoch kaum Akzente gesetzt. Ein erklärtes Anliegen sind ihm hingegen die Randregionen mit ihrer schwierigen wirtschaftlichen Situation: Sein Denken sei auch im Gegensatz zwischen Berg und Tal, Stadt und Land verwurzelt, charakterisieren ihn Fraktionskollegen.

Eigenwillig

Daneben fiel Buttet auch mit eher skurrilen Einwürfen auf: So störte er sich etwa an den Palmen in der Wandelhalle, weil sie kein einheimisches Gewächs seien. «Wir sind mitten in der Diskussion über die Vermarktung von Schweizer Holz – und dann das», echauffierte er sich. Eigenwillig sei Buttet auch im persönlichen Umgang, heisst es in der Fraktion. Als Eigenbrötler gilt er, «eigenartig» sei er und wenig zugänglich, war immer wieder zu hören.

Verfechter traditioneller Werte: Yannick Buttet am Alphornfestival in Nendaz. (Bild: Anthony Anex, Keystone)

Trotz der wenig schmeichelhaften Charakterisierungen war der Gemeinderpräsident von Collombey-Muraz der Shootingstar der Konservativen, die Hoffnung der Unterwalliser CVP. Gar als möglicher Nachfolger des Walliser Ständerats Jean-René Fournier wurde Buttet gehandelt.

Und jetzt der tiefe Fall: Der Familienvater soll seine aussereheliche Geliebte gestalkt und mehrere Frauen belästigt haben. Noch stützt ihn seine Partei: Sie überlässt den Entscheid über Buttets politische Zukunft der Walliser Kantonalsektion. Doch der Traum von höheren politischen Weihen: Er dürfte heute laut zerplatzt sein.

Erstellt: 30.11.2017, 16:11 Uhr

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