Der unbekannte Multimillionär auf der SVP-Liste

Der Auslandschweizer John McGough will in den Nationalrat. Selbst die Parteigrössen der SVP wissen nicht, welches Kaliber auf ihrer Liste steht.

Lebt in Ungarn, will nach Bundesbern: John McGough ist seit 35 Jahren eingebürgert und lebte lange in Basel. Foto: zvg

Lebt in Ungarn, will nach Bundesbern: John McGough ist seit 35 Jahren eingebürgert und lebte lange in Basel. Foto: zvg

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Sogar die SVP-Spitze ist sich offenbar noch nicht bewusst, welches Wirtschaftskaliber sich auf der «Liste international» der SVP in Basel-Stadt um einen Nationalratssitz bewirbt. SVP-Präsident Toni Brunner hat Unternehmer und Investor John McGough am Rande eines Anlasses zwar auch schon die Hand geschüttelt. Näher bekannt sind sich die beiden aber nicht. Und mit den beiden anderen Multimillionären der SVP, Autoimporteur Walter Frey und SVP-Vizepräsident Christoph Blocher, hat sich McGough noch nie getroffen.

Besser bekannt ist der Unternehmer, der in seinen Hightech- und Medizinaltechnikfirmen weltweit 22'500 Mitarbeiter beschäftigt, im Auslandschweizerrat. Dort ist das Mitglied der SVP International gewählter Vertreter der 2000 Auslandschweizer in Ungarn. Oft isoliert mit seiner Meinung im mehrheitlich eher mitte-links tickenden Auslandschweizerrat, setzte sich der 68-Jährige zuletzt für die Akzeptanz des Volksentscheids zur Masseneinwanderungs-Initiative ein. Hart verurteilte er in diesem Rat auch das Vorgehen von Schweizer Banken, nachdem diese die über 700'000 Auslandschweizer unter Generalverdacht als Steuerbetrüger stellten und ihnen Privatkonti sowie Kreditkarten kündigten. Selbst betroffen davon ist der erfolgreiche Geschäftsmann nicht, da er über genügend Mittel verfügt, um ein Konto in der Schweiz zu haben.

Beatmungsgeräte und Optik

McGough ist Inhaber der Firmen Medtech, Medplan und Shvabe-München. Letztere beliefert Firmen der Auto- und der Beleuchtungsindustrie mit Hightech-Produkten. Ein weiteres Geschäftsfeld sind die Herstellung und der Vertrieb von optischen Geräten, wie man sie beim Strassenbau hin und wieder antrifft. Medtech und Medplan produzieren und vertreiben derweil Apparate im Bereich Medizinaltechnik, unter anderem Beatmungsgeräte auf Intensivstationen von Spitälern. Hauptabsatzmärkte sind dabei Mittel- und Osteuropa sowie Russland und Asien. in mehreren Ländern pflegt McGough Beziehungen bis in höchste Kreise von Wirtschaft und Politik.

Der Sohn eines britischen Unternehmers ist seit 35 Jahren eingebürgerter Schweizer und leistete bis Anfang 1990er-Jahre als Fachoffizier Dienst im Generalstab der Schweizer Armee. Er lebte längere Zeit in Basel, was in dessen englisch gefärbtem Schweizer Dialekt deutlich wird. «Basel war vor Jahren meine erste Schweizer Stadt, in der ich wohnte und beruflich tätig war. Basel ist für mich der Inbegriff der Schweiz», sagt er dazu. Er habe damals eine Ausbildung bei einer sehr grossen Airline genossen und sich anschliessend mit einem Teil des Familienunternehmens beschäftigt. Alles über seinen familiären Hintergrund will McGough aus Anlass seiner Nationalratskandidatur nicht preisgeben. Privat sei privat.

Stramm auf Kurs der SVP

Der Geschäftsmann ist verheiratet, Vater zweier Kinder und wohnt in Budapest. McGough will mit seiner Kandidatur der SVP helfen, von der er überzeugt ist. Das grosse Verdienst Christoph Blochers sei, die Schweiz aus der EU rausgehalten zu haben, sagt er über den heutigen SVP-Vize. Hinter der restriktiven SVP-Asylpolitik steht der Auslandschweizer zu hundert Prozent. Der wachsenden Attraktivität der Schweiz für Wirtschaftsmigranten sei mit einer konsequenten Rückweisungspraxis zu begegnen, fordert er.

Auf seiner Wahlwebsite sagt er über den Zustand der politischen Schweiz: «Selbstsüchtigen Privaterben gleich, ist eine Elite seit Jahren damit beschäftigt, das politische Erbe der Vorfahren preiszugeben statt dieses zu verteidigen und – wo nötig – einem veränderten Umfeld anzupassen.» Unzufrieden ist McGough auch mit der Aussenpolitik von Bundesrat und Aussenminister Didier Burkhalter (FDP). Dessen Annäherungskurs an die EU und dessen frühere Nähe zum Verteidigungsbündnis Nato missfallen ihm. Sicherheit sei einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren der Schweiz, was ein politisch unterschätzter Vorteil für die Wirtschaft sei. Für ihre Sicherheit habe die Schweiz selbst zu sorgen. Nötig sei deshalb eine funktionierende, bestandesstarke Miliz­armee, sagt der Unternehmer. Vor der Anbiederung von Bundesrat und Verwaltung an die EU sei der Respekt vor der neutralen Schweiz im Ausland deutlich grösser gewesen als heute, will der weltweit tätige Unternehmer beobachtet haben. Ziel der schweizerischen Aussenpolitik müsse es wieder sein, Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zu stärken.

Gar nicht einverstanden ist der Auslandschweizer mit der Schliessung zahlreicher Schweizer Konsulate. Es sei Schweizern, denen im Ausland der Ausweis abhandengekommen sei, nicht zuzumuten, dass sie ohne erforderliche Ausweispapiere zuerst in andere Länder reisen müssten, um einen provisorischen Pass zu erhalten. Hier spare Burkhalter am falschen Ort.

Bauer und Pilot

Ganz im Osten Ungarns besitzt John McGough seit über fünfzehn Jahren einen grossen Bauernhof mit 2000 Schafen. Er investierte damals trotz Abraten von Fachleuten und Bekannten in brachliegende Ländereien. Der Betrieb rentiere heute, sagt er mit einigem Stolz. Auf seinem Hof an der Grenze zur Ukraine verbringt er viel Zeit. Firmen liessen sich heute auch aus der Ferne führen, sagt er. Dort pflegt der Unternehmer auch seine Hobbys, die Jagd und die Fliegerei. Neben einer beachtlichen Sammlung an Schweizer und ausländischen historischen Militärfahrzeugen besitzt der Pilot auch ein Flugzeug und einen Helikopter.

Mit einer Wahl in den Nationalrat rechnet John McGough realistischerweise nicht. Auch wenn es das Ziel sein müsse, dass eines Tages ein Vertreter der Auslandschweizer im Nationalrat sitze.

Erstellt: 21.08.2015, 10:56 Uhr

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