Der Zürcher CVP stehen schwierige Zeiten bevor

In elf Monaten sind in Zürich Wahlen. Der CVP kommen die Zugpferde abhanden.

«Es braucht eine Frau in der Zürcher CVP-Delegation», sagt die Präsidentin der Zürcher CVP Nicole Barandun. Bild: Keystone

«Es braucht eine Frau in der Zürcher CVP-Delegation», sagt die Präsidentin der Zürcher CVP Nicole Barandun. Bild: Keystone

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Barbara Schmid-Federer ist am Donnerstag ein echter Coup gelungen. Mit ihrer Rücktrittsankündigung hat sie alle überrascht: Weder ihre Ratskollegin Kathy Riklin noch die Zürcher Parteipräsidentin Nicole Barandun oder ihr Nachfolger in Bern, Philipp Kutter, waren informiert oder vorgewarnt worden. Alle gingen davon aus, dass sie weitermacht.

Plötzliche Rücktritte sind in der Zürcher CVP verpönt, weil diese als kleine Partei darauf angewiesen ist, die Nachfolgen frühzeitig und sorgfältig zu planen. Insofern wird Verlässlichkeit grossgeschrieben. So sorgte jüngst nicht Schmid-Federer, sondern Riklin parteiintern für Stirnrunzeln, als sie nicht wie vorgespurt Mitte der Legislatur vorzeitig zurückgetreten ist. Dieses Mittel erlaubt es jeweils den Nachgerückten, sich vor den nächsten Wahlen einzuarbeiten.

«Kathy Riklin ist eine erfahrene Strategin und weiss sicher, was am besten ist für die Partei.»Nicole Barandun, Parteipräsidentin CVP Zürich

Ist jetzt aufgrund der neuen Situation der Druck auf Riklin gesunken? Soll sie gar eine sechste Legislatur anhängen, damit am Wahltermin im Herbst 2019 neben Kutter noch eine erfahrene CVP-Nationalrätin antritt, um die zwei Sitze der angeschlagenen Partei zu verteidigen? Riklin will sich nicht äussern. Ba­randun lässt durchblicken, dass sie gern zwei Bisherige antreten liesse, und meint damit Kutter und Josef Wiederkehr, den zweiten Ersatzkandidaten. «Der Bisherigen-Bonus ist nicht zu unterschätzen», sagt die Parteipräsidentin. Sie weiss aber auch, dass sich Riklin nicht herumkommandieren lässt, weshalb sie anfügt: «Kathy Riklin ist eine erfahrene Strategin und weiss sicher, was am besten ist für die Partei.»

Mit zwei Männern an der Listenspitze in die nationalen Wahlen zu gehen, wäre für die Zürcher CVP aber speziell. Stets haben in der Partei die Frauen eine grosse Rolle gespielt. Riklin hat eine klare Meinung dazu: «Es braucht eine Frau in der Zürcher CVP-Delegation.» Denn Frauen würden stets besser gewählt, wie man an ihrem Beispiel wiederholt habe sehen können. Barandun sieht das differenzierter: Mit Silvia Steiner stellen die CVP-Frauen die Zürcher Regierungsrätin, mit ihr selbst die Parteipräsidentin und mit Yvonne Bürgin ab nächstem Montag die Kantonsratspräsidentin. Ausserdem sei die Zürcher CVP viele Jahre lang in Bern nur von Frauen vertreten worden. Da vertrage es einmal zwei Männer. Handkehrum wolle sie selbst Gas geben bei den Nationalratswahlen, kündigt Barandun an.

An 5-Prozent-Hürde gescheitert

Einen Haken hat das CVP-Szenario mit dem vorzeitigen Rücktritt Riklins jetzt trotzdem: Die Partei müsste ohne regional wichtige Lokomotiven in den Kantonsratswahlkampf im nächsten Frühling ziehen. Philipp Kutter sorgte im Bezirk Horgen für gute CVP-Resultate, Josef Wiederkehr in Dietikon. Diese Wahlkreise sind just die stärksten der CVP, welche die 5-Prozent-Hürde im Auge behalten muss. In der Stadt Zürich ist die Partei kürzlich überraschend an ebendieser Hürde gescheitert und so aus dem Parlament geflogen. Dazu kommt, dass auch im Bezirk Bülach das Zugpferd fehlen wird. Die profilierte Bildungspolitikerin Corinne Thomet wird demnächst vorzeitig zurücktreten.

Das sind prominente Abgänge für eine Partei, die nicht gerade im Hoch ist, wie andere kantonale Wahlen und die jüngsten Kommunalwahlen im Kanton Zürich gezeigt haben.

Erstellt: 03.05.2018, 23:17 Uhr

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