Deutschland ist nicht schuld

Höhere Lärmgebühren für späte Flüge sind ein Schritt in die richtige Richtung.

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«Deutschland muss das Fluglärm­problem lösen»: Diese Forderung war letzte Woche an dieser Stelle zu lesen. Sie klingt gut – und doch enthält sie mehrere Denkfehler.

Erstens ist es ein Irrtum, zu glauben, Deutschland sei für einen Flughafen in einem Nachbarland verantwortlich. Man stelle sich vor, der Flughafen läge auf deutschem Boden und lärmte in die Schweiz herüber. Würde die Schweiz das unwidersprochen hinnehmen? Eben. Kommt hinzu, dass die Lärmfrage für deutsche Politiker geradezu toxisch ist: Niemand hat dort Interesse, etwas an der heutigen Situation zu ändern.

Warum auch? Sicher, auch Deutsche nutzen den Flughafen und arbeiteten dort. Aber die Wertschöpfung fällt zum allergrössten Teil in der Schweiz an. Und Deutschland toleriert nach wie vor den grössten Teil der Anflüge. Von einer Aufhebung der Anflugsperren hätten die Deutschen nichts ausser Ärger und mehr Lärm.

Wir können das Lärmproblem nur selber lösen

Zweitens wäre das Fluglärmproblem selbst dann nicht gelöst, wenn die Anflugbeschränkungen wegfielen. Würde nur noch von Norden her angeflogen, so hätten die dicht besiedelten Gegenden südlich, westlich und östlich des Flughafens einfach mehr Starts zu ertragen. Die sind bekanntlich lauter als Landungen.

Was drittens gern ungesagt bleibt: Zwischen dem nördlichen Pistenende und der Grenze liegen knapp 15 Kilometer Schweiz: die einzige Region in Flughafennähe, die nie Ruhe hat. Wird nicht von Norden gelandet, wird nach Norden gestartet. Aussagen wie Fluglärm solle «hauptsächlich über den dünn besiedelten Gebieten im Schwarzwald» anfallen, klingt für die Menschen dort wie blanker Hohn.

Und viertens: Hauptverursacher der aktuellen Lärmdiskussion ist der Flughafen, der nonchalant Verspätungen nicht nur in Kauf nimmt, sondern sogar noch neue Flüge zu später Stunde plant. Nachtruhe um 23 Uhr? Darüber können die Anwohner nur lachen, über deren Dächer bis um 23.30 Uhr Starts donnern.

Nein, Deutschland ist am Lärmproblem nicht schuld. Lösen können wir es nur selbst. Ein Anfang könnte sein, dass der Bund die Anliegen aller Betroffenen ernst nimmt. Höhere Gebühren für späte Flüge sind ein Schritt in die richtige Richtung.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 11.06.2019, 21:24 Uhr

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